27.11.2008

Alt-Katholiken wollen erstmals repräsentative Bischofskirche Bonner Namen-Jesu-Kirche vor der Übergabe?

Das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland will erstmals eine repräsentative Bischofskirche nutzen. Dazu verhandelt die Diözese mit dem Land Nordrhein-Westfalen über eine Nutzung der Bonner Namen-Jesu-Kirche. "Allerdings ist noch kein Vertrag unterschrieben." sagt die Pastorin der Bonner Gemeinde, Henriette Crüwell.

Um den Betrieb des barocken Gotteshauses langfristig zu gewährleisten, müsse noch eine Stiftung gegründet werden, so Crüwell. Das Bistum umfasst die gesamte Bundesrepublik. Zentrale ist Bonn. Die Stiftung «Namen-Jesu-Kirche» soll laut Crüwell innerhalb des kommenden Halbjahres entstehen. Nötig sei eine Mindesteinlage von 300.000 Euro. Das Geld soll den Betrieb des Gotteshauses sowie die Einstellung und Besoldung eines oder einer Geistlichen gewährleisten. Gedacht sei auch an ein sogenanntes Kolumbarium im Gewölbe unter der Kirche. Hier könnten Menschen, die zu Lebzeiten für die Kirche gestiftet haben, nach ihrem Tod in Urnengräbern beigesetzt werden. Das Gewölbe ist laut Angaben der Theologin eine Gruft, in der im 18. Jahrhundert 65 Jesuiten beigesetzt wurden. Das von 1668 bis 1717 errichtete Gotteshaus, das zuletzt als katholische Universitätskirche diente, soll laut Angaben bis 2011 renoviert werden. Die Kosten trägt das Land. Die Alt-Katholiken planen laut Crüwell auch, in Sakristei und Garten ein Cafe einzurichten, das arbeitslose Jugendliche betreiben. Das Projekt soll der Wiedereingliederung in den Beruf dienen. Die alt-katholischen Kirchen sind im 19. Jahrhundert durch Abspaltungen von der römisch-katholischen Kirche entstanden. Der Name «Alt-Katholiken» hängt vom Selbstverständnis ab, die alte, wahre Kirche Christi zu sein. Während der Gottesdienst liturgisch weitgehend der römisch-katholischen Feier gleicht, bestehen in der Lehre Unterschiede. So lehnen Alt-Katholiken seit dem Ersten Vatikanischen Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes in bestimmten Glaubensdingen sowie seine rechtliche Gewalt als unbiblisch ab; Taufe und Eucharistie werden den übrigen fünf Sakramenten vorangestellt. Seit 1878 gibt es keine Zölibatspflicht für die Geistlichen mehr; 1996 wurden erstmals Frauen zu Priesterinnen geweiht. Die alt-katholische Kirche in Deutschland hat nach eigenen Angaben rund 20.000 Mitglieder und 50 Pfarrer und Pfarrerinnen.

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