06.07.2008

Lübecker Bischöfin Wartenberg-Potter in Ruhestand verabschiedet Bye Bye, Bärbel!

Die Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter (64) ist am Sonntag mit einem Festgottesdienst verabschiedet worden. Damit tritt bundesweit erstmals eine evangelische Bischöfin in den Ruhestand. Wartenberg-Potter hatte nach Maria Jepsen (Hamburg) und Margot Käßmann (Hannover) 2001 als dritte Bischöfin ihr Amt angetreten.

Wartenberg-Potter warnte in ihrer Abschiedspredigt vor der Vorstellung eines unbegrenzten Wachstums und steigenden Konsums. Klimawandel und Ölpreis zeigten, dass es auf einer endlichen Erde kein unendliches Wachstum geben könne, so die Theologin nach einem Redemanuskript. Sie plädierte für eine «Ökonomie des Genug». Damit zeige Gott eine Rettungstür. Die Kirche selbst dürfe nicht auch noch dem Wachstum nachjagen, sondern müsse unbeirrbar Zeugnis ablegen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Die gebürtige Pfälzerin war nach einem Lehrerstudium mit 37 Jahren zur Pfarrerin ordiniert worden. Von 1980 bis 1985 war sie Direktorin für Frauenfragen beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf. Verheiratet ist sie mit Philip Potter, dem damaligen ÖRK-Generalsekretär. Mit ihm ging sie später als Theologie-Dozentin nach Kingston (Jamaika). Danach war sie Gemeindepastorin in Stuttgart und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), ehe sie zur Bischöfin gewählt wurde. Am 30. September scheidet sie aus dem Amt. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) bedankte sich am Samstag im Dom für den «frischen Südwind» der Bischöfin. Sie habe die geplante Gründung der «Nordkirche» mit Mecklenburg und Pommern maßgeblich vorangetrieben und viele Anstöße zur Sensibilisierung für die weltweite Armut gegeben. Zu den ökumenischen Gästen zählten Ophelia Ortega aus Kuba, eine der Präsidentinnen des Weltkirchenrates, sowie der indische Bischof Anam Koshla sowie der lettische Bischof Einars Alpe. Wartenberg-Potter gehört zu den maßgeblichen Förderinnen der «Bibel in gerechter Sprache» und hat sich für die feministische Theologie stark gemacht. Sie bildet mit Bischöfin Jepsen (63) und Bischof Hans Christian Knuth (67) aus Schleswig das Bischofskollegium der Nordelbischen Kirche. Knuth wird ebenfalls Ende September in den Ruhestand treten.