14.01.2008

Am Freitag gibt es für Schüler in NRW zum ersten Mal Kopfnoten Sorgfalt "befriedigend"?

Deutsch gut, Sorgfalt befriedigend. Bei den Halbjahreszeugnissen in NRW werden am Freitag zum ersten Mal Kopfnoten vergeben. Die neuen Noten sind unter Pädagogen umstritten. Sie seien gerade in der Pubertät schwer festzulegen und hätten bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz zu viel Gewicht. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer
(CDU) hat die neu eingeführten Kopfnoten verteidigt. Nach ihrer Ansicht würden gerade schwache Schüler profitieren. Der NRW-Landesverband der Katholischen Elternschaft Deutschlands protestiert. Ideal sei die derzeitige Situation noch nicht, sagte Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW im domradio-Interview.

Nach Einschätzung der Ministerin könne die Mehrzahl der Schüler sehr positive Bewertungen in den Kopfnoten bekommen, sagte Sommer am Montag in einem WDR-Interwiew in Köln. "Ich glaube, kein Schüler muss sich schlecht benehmen." Auch bisher schon seien etwa Arbeits- und Sozialverhalten in die Fachnoten mit eingeflossen, betonte die CDU-Politikerin. "Schüler, die sonst sehr schwach sind, werden dankbar über die Chance der Kopfnoten sein. Hier spiegelt sich ihr Einsatz, Fleiß und ihre Teambereitschaft wieder, den sonst niemand bemerken würde", so Sommer. Soziale und persönliche Kompetenz würden immer wichtiger. "Kopfnoten pädagogisch unangemessen"Die Bewertung des Verhaltens in sechs Kategorien mit vier verschiedenen Noten sei pädagogisch unangemessen, schreibt dagegen der NRW-Landesverband der Katholischen Elternschaft Deutschlands in einem am Montag in Münster veröffentlichten Brief an NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU). "Auch auf dem Hintergrund des von uns vertretenen Menschenbildes und des Fördergedankens halten wir die Ziffern-Benotung für ein ungeeignetes Instrument", erklärte der Interessenverband.Der Elternverband beklagte zudem, dass die Vergabe von Kopfnoten zu Lasten des Unterrichts gehe. Dass für diese Bewertungen Unterrichtstage in Anspruch genommen werden sollen, habe zu einer "handfesten Verärgerung auf Elternseite" geführt. Den Eltern sei es nicht zu vermitteln, dass pädagogisch sinnvolle Maßnahmen wie Elternsprechtage außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden sollten, während zwei Unterrichtstage "einer höchst fragwürdigen pädagogisch-administrativen Maßnahme" geopfert würden.Ideal sei die derzeitige Situation noch nicht, so Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW im domradio-Interview. "Das, was in den letzten Tagen dazu angemerkt worden ist, ist alles andere als beruhigend", räumt Silbernagel ein. Nicht nur der Zeitaufwand, auch eine "trennscharfe" Vergabe der Kopfnoten sei noch problematisch. "Ich erwarte, dass die Landesregierung diesen ersten Durchgang sehr sorgfältig auswertet", erklärt Silbernagel. "Und wir wünschen auch, dass man von sechs auf beispielsweise zwei Kopfnoten runterkommt."Unternehmen fordern Kopfnoten in AbschlusszeugnissenEs waren Stimmen aus der Wirtschaft, die die Einführung der Schulnoten gefordert hatten. Bei Henkel in Düsseldorf steht man den Kopfnoten positiv gegenüber. "Es ist wichtig schon rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas nicht stimmt. Die Kopfnoten helfen dabei. Sie geben eine Rückmeldung und das ist enorm wichtig", sagt Franz Klüter, Ausbildungsleiter bei Henkel. Wie wichtig dem Unternehmen solche Noten sind, zeigt sich darin, dass nunmehr im fünften Jahr die Azubis von Henkel am Max Weber Berufskolleg Noten, für Arbeits- und Sozialverhalten erhalten. "Diese Noten ergänzen die eigenen Beobachtungen und sind auch wichtig für die Auszubildenden selber. Sie erleben, wie sie von den Lehrern gesehen werden und haben so ihre eigene Entwicklung vor den Augen", berichtet Klüter. Bei den Azubis käme es gut an. Klüter meint in diesem Zusammenhang auch, dass ein guter Schüler nicht unbedingt ein guter Bewerber um eine Lehrstelle sein müsste. "Ich setze die so genannten Soft Skills höher an als den Kenntniserwerb. Fleiß und Kooperationsbereitschaft halten länger als spezielles Fachwissen", weiß Klüter aus jahrelanger Erfahrung. Auch er spricht sich für Kopfnoten an weiterführenden Schulen aus.