10.12.2007

SPD will gesetzliche Begrenzung für Managergehälter - Kirche kritisiert fehlende Relationen Neiddebatte oder Gerechtigkeitsdiskussion?

13,2 Millionen bekam Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der deutschen Bank, 2006. Im Durchschnitt bekommen die Vorstände der DAX-Unternehmen das Hundertfache ihrer einfachen Angestellten. Ethisch fragwürdig sind aber vor allem die Millionenabfindungen, die auch den gescheiterten Führungskräften gezahlt werden. Das SPD-Präsidium will eine Arbeitsgruppe einsetzen, um gesetzliche Möglichkeiten auszuloten. Wir brauchen keine Obergrenzen, sondern eine Diskussion darüber, "was denn ein gerechter Lohn ist", so Moraltheologe Prof. Schuster SJ im domradio Interview.

Manager werden meist nach der Wertschöpfung des Unternehmens am Kapitalmarkt bezahlt. An dieser Wertschöpfung seien aber viele Menschen beteiligt, so der Moraltheologe Prof. Schuster SJ im domradio Interview.  Auch die große Verantwortung und die Arbeitsbelastung allein könnten kein Maßstab sein. "Es stimmen irgendwo die Relationen nicht mehr", so Prof. Schuster. Wenn mit Verantwortung argumentiert wird, sprenge  es jeden Maßstab, wenn Manager ein Unternehmen "an die Wand fahren" und dann noch 50 Millionen Euro Abfindung bekämen.Der Moraltheologe spricht sich aber gegen Obergrenzen aus, da diese seiner Erfahrung nach dazu führen, dass die Menschen diese Grenze auch erreichen wollen. Die Top-Gehälter könnten dann in der Breite sogar noch steigen.Den Lohn von 100 ArbeiternDie SPD sucht gleichwohl nach Möglichkeiten der Begrenzung für Top-Gehälter und Abfindungen. Möglichkeiten biete das Unternehmens- und das Aktienrecht. "Wenn Abfindungen oder Vorstandsprämien zu hoch sind, kann man die Frage stellen, ob das Interesse des Unternehmens und der Aktionäre noch angemessen berücksichtigt wird", sagte SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz. die Arbeitsgruppe der SPD soll untersuchen, wie die steuerliche Absetzbarkeit von Abfindungen für Unternehmen begrenzt werden könne. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, forderte eine Obergrenze für Einkommen. „Wenn aus dem Gehalt eines Menschen mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten und gleichzeitig in demselben Unternehmen aus Kostengründen Arbeitsplätze abgebaut werden, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit", sagte Huber.Moralische Ober- und UntergrenzeÄhnlich äußerte sich auch EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla. Für ihn gebe es eine moralische Unter- und Obergrenze von Gehältern, sagte er der Bild-Zeitung: "Wenn ein Manager das Hundertfache eines Arbeiters verdient, ist die moralische Obergrenze sicherlich überschritten." Der Präsident des Sozialverbands VdK, Walter Hirrlinger, nannte bereits das 50-Fache des durchschnittlichen Arbeitnehmerverdienstes als Managergehalt "nicht mehr zu rechtfertigen". "Manche Manager kassieren selbst bei Versagen Millionenbeträge, während gleichzeitig der Aufschwung bei vielen Arbeitnehmern nicht ankommt", kritisierte DGB-Sprecher Axel Brower-Rabinowitsch. "Derartige Auswüchse" gefährdeten den sozialen Zusammenhalt in den Betrieben und in der Gesellschaft. Die Aufsichtsräte der Unternehmen müssten dafür sorgen, dass die Gehälter der Manager in einem "vernünftigen Verhältnis" zu den Einkommen der Beschäftigten stehen, zum Beispiel zum jeweiligen Facharbeiterlohn. "Ruf nach Gesetzgeber ist Unfug"Der Vorsitzende des Unions-Parlamentskreises Mittelstand, Michael Fuchs (CDU), sagte dagegen, der Ruf nach dem Gesetzgeber sei Unfug. Wirtschaft und Wirtschaftsforscher verwiesen auf die Eigenverantwortung der Unternehmen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) erinnerte an die Verantwortung von Gewerkschaftsvertretern in den Aufsichtsräten bei der Festlegung von Managergehältern.Fuchs forderte, die Politik solle sich nicht in die Festlegung der Managergehälter einmischen. "Wir können da gar nichts machen, denn hier handelt es sich um Eigentumsrechte", sagte er. Die Forderungen nach gesetzlich festgelegten Obergrenzen seien Populismus.Doch sogar Angela Merkel  ist in die Diskussion eingestiegen. In der vergangenen Woche sagte die Vorsitzende der CDU  auf dem Parteitag in Hannover: "Wer viel für sein Unternehmen und die Mitarbeiter tut, der soll auch gut bezahlt werden...Was ich aber überhaupt nicht verstehe: Warum wird mit Geld überschüttet, wer auf ganzer Linie versagt hat?" Merkel habe mit ihren Bemerkungen zu diesem Thema eine von ihr als "notwendig und sinnvoll erachtete" gesellschaftliche Diskussion anstoßen wollen, betonte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Managergehälter seien aber Sache der Unternehmen und Aufsichtsräte. Gesetzliche Obergrenzen bei Managervergütungen lehne Merkel ausdrücklich ab. Die Kanzlerin setze auf "Einsicht, Selbstreinigung und Selbstverpflichtung" in den Unternehmen. Kirche als Rufer in der WüsteDie katholische Kirche beklagt schon seit langem, dass sich die soziale Schere immer weiter öffnet. Hartz IV und Massenentlassungen auch bei gesunden Unternehmen auf der einen Seite, Top-Gehälter der Manager Bestechungsskandale und die Heuschreckenkampagne andererseits, haben eine neue Gerechtigkeitsdiskussion entfacht. Die Abfindungen auch der gescheiterten Manager sind so hoch, dass die Frage nach der Gerechtigkeit nicht mehr als Neiddebatte diffamiert werden kann. Der katholische Sozialethiker Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach SJ fordert von der Kirche noch mehr Engagement in dieser Frage. Zwar habe Papst Benedikt XVI. ebenso wie sein Vorgänger lautstark Kritik am „ungehemmten und entfesselten Kapitalismus" unserer Tage geäußert, dies sei aber zu wenig. Die Kirche stehe noch zu sehr im Schulterschluss mit den politischen Eliten und übe zu wenig Druck aus, so Hengsbach in einem domradio-Interview.Bischöfe sollten verstärkt den Kontakt halten mit Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen und nicht nur mit denen, die weit entfernt sind von der Lebenslage Alleinerziehender, Arbeitsloser oder Menschen mit geringem Einkommen. domradio-Themensendung zur Ethik in den Unternehmen: Klicken Sie hier und hören Sie die ganze Sendung!