05.11.2007

Sektenexperte warnt vor US-Prediger "Heilungspropagandismus"

Blinde sollen sehend werden, Lahme gehen und Taube hören: Mit biblischen Motiven werben Freichristen für eine Heilungskonferenz in Düsseldorf. "Heilungspropagandismus", sagt ein Sektenbeauftragter, rät von einem Besuch ab und warnt vor einem angeblichen Heilsbringer.

"Es geht nicht um Gott, sondern um eine Person"Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, hat von einem Besuch einer sogenannten Heilungskonferenz mit "Pastor" Charles Ndifon in Düsseldorf abgeraten. Die von der freichristlichen Gruppierung "focusJC" organisierte Veranstaltung von Donnerstag bis Montag stelle eine Form von "Heilungspropagandismus" dar, sagte Schäfer am Montag dem epd in Düsseldorf.Unter dem Titel "Heilung und Wunder heute" finden während der fünf Tage laut Programm kostenlose Heilungsgottesdienste statt. Ndifon wirbt damit, dass in seinen Veranstaltungen "Blinde sehend" werden, "Lahme gehen, Taube hören". "Es geht bei der Veranstaltung offenbar nicht darum, Gott um Heilung zu bitten, sondern um die Person Ndifon und seine Heilungsversprechen", sagte Schäfer. Das sei theologisch und medizinisch fragwürdig. Es bestehe die Gefahr, dass Kranke und leidende Menschen, die eine solche Veranstaltung besuchen, auf eine schulmedizinische Behandlung verzichten, warnte Schäfer.Auch aus theologischer Sicht sei es fragwürdig, wenn ein Mensch mit Sofortheilungen schwerer Krankheiten werbe, mahnte Schäfer. "Wir Gläubigen wissen, dass die Gemeinschaft mit Gott noch aussteht, und wir müssen damit leben, dass Gesundung und Heil eben auch nicht geschehen können." Zudem müsse abgewartet werden, ob trotz des freien Eintritts bei den Besuchern massiv um Spenden geworben werde.Junge MitgliederOrganisatorin der Düsseldorfer Veranstaltung ist die im vergangenen Jahr in Düsseldorf gegründete freichristliche Gruppe "focusJC", wobei JC für Jesus Christus steht. Die nach eigenen Angaben etwa 15 Mitglieder im Alter von 13 bis 20 Jahren gruppieren sich um "Pastorin" Anne-Sofie Weise. Selbst erklärtes Ziel ist die "Verbreitung des Evangeliums von Jesus Christus". Die Jugendlichen werden nach Angaben Schäfers von einer freien Gemeinde aus Hamburg unterstützt.Das Werbevideo zur mehrtägigen Düsseldorfer "Heilungskonferenz" zeigt kurze Szenen aus internationalen Auftritten Ndifons. Entsprechende Heilungsberichte von Menschen, die dank Ndifon in Zürich angeblich von Rückenschmerzen, Schilddrüsenproblemen oder Depressionen geheilt wurden, vermitteln auf der Internetseite den Eindruck von Spontanheilungen, auch durch das Telefon. Der in Nigeria geborene und ausgebildete Ingenieur Ndifon lebt den Angaben nach seit 1990 in den USA und gründete dort das "International Miracle Center" und die "Christ Love Ministries International".