04.10.2007

Joschka Fischer präsentiert Biographie Keine Abrechnung

Seinen ersten Amtseid als hessischer Umweltminister legte Joschka Fischer 1985 in Jeans und Turnschuhen ab. Später präsentierte er sich sieben Jahre lang als Außenminister bevorzugt im vornehmen Dreireiher. Am Donnerstag zeigte er sich mit offenem Kragen statt Krawatte: als Privatier. Fischer stellte den ersten Band seiner Erinnerungen an die rot-grünen Regierungsjahre vor.

"Vom ersten bis zum letzten Anschlag selbst geschrieben"Knapp 450 Seiten stark ist Fischers Rückblick auf die Zeit vom Regierungswechsel 1998 bis zum Terrorangriff vom 11. September 2001 geworden. Fischer versichert, das Buch "vom ersten bis zum letzten Anschlag" selbst geschrieben zu haben.Dass das Werk nicht wie geplant schon Anfang des Jahres fertig war, lag dem Autor zufolge daran, dass er "die Fülle des Materials und auch den Zeitaufwand gnadenlos unterschätzt" hatte. Das Schreiben selbst sei hingegen kein Problem gewesen: "Das Schreiben hat mit sehr großen Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf den zweiten Band, mit dem ich unmittelbar beginnen werde".Darüber dürfte sich so mancher Leser freuen - immerhin bescheinigt etwa "die tageszeitung" dem ersten Teil der Fischer-Erinnerungen, sie seien "verglichen mit der Verlautbarungsprosa der Memoiren von Kohl und Schröder geradezu ein Feuerwerk an Eloquenz und Lebendigkeit". Das wird dem einstigen Ober-Grünen besser gefallen haben als der seinem Buch gewidmete "taz"-Titel "Fischers Abrechnung"."Anspruch, doch möglichst objektiv zu berichten"Gemeint ist Abrechnung mit den Grünen, und das will Fischer so nicht stehen lassen: "Also, unter Abrechnung verstehe ich 'was ganz anderes", sagt er und bekräftigt, "keine Abrechnung" im Sinn gehabt zu haben. "Selbstverständlich" habe er seine "subjektive Sicht der Dinge" dargelegt, aber mit dem "Anspruch, doch möglichst objektiv zu berichten".Überhaupt vermeidet Fischer bei seinem Auftritt harte Worte über die Grünen, etwa wegen deren Göttinger Beschluss gegen den "Tornado"-Einsatz in Afghanistan. Zwar müsse dort seiner Meinung nach "mehr getan" werden, doch habe dies nichts mit Kritik an der Partei zu tun, die über "ihren Weg selber entscheiden muss", sagt er lediglich. Auch Spekulationen über eine Rückkehr in die aktive Politik weist er vorsorglich zurück: "Es ist mein voller Ernst, dass ich sage: Die Tür ist zu - und sie bleibt auch zu".Zwar werde er auch künftig mit seiner Meinung "nicht hinterm Berg halten", aber sich doch "zurückhalten, was die aktuelle Politik betrifft", versichert er und verweist darauf, dass nun die neue Führung der Grünen zu entscheiden habe. Klar sei aber auch, dass er nicht in den Trappisten-Orden mit seinem Schweigegelübde eingetreten sei. Er bleibe "ein politischer Mensch - und selbstverständlich auch ein Grüner".