Alfred Buß, Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen
Alfred Buß, Präses der Evangelischen Landeskirche von Westfalen

30.09.2007

Religionsfreiheit für Christen in Türkei an Gottesdienste unter Polizeischutz

Der westfälische Präses Alfred Buß hat mehr Rechte für die Christen in der Türkei angemahnt. "Es gibt eine Glaubensfreiheit, aber keine wirkliche Religionsfreiheit", sagte der leitende Theologe der viertgrößten deutschen Landeskirche am Sonntag in seiner Predigt in Istanbul. Privat könne ein Mensch Christin oder Christ sein, aber die Kirche sei immer noch keine juristische Körperschaft. Ohne diesen Status könnten Christen weder Gebäude kaufen oder umbauen noch Theologen ausbilden.

Die Predigt vor der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Istanbul war der Auftakt einer einwöchigen Begegnungsreise der westfälischen Kirchenleitung in der Türkei. Bis Freitag stehen Gespräche mit Kirchenvertretern, Politikern und Menschenrechtsorganisationen auf dem Programm. Geplant sind unter anderem Treffen mit den Repräsentanten der armenischen sowie der syrisch-orthodoxen Christen. In Ankara sind Gespräche mit dem Amt für religiöse Angelegenheiten vorgesehen.Buß rief dazu auf, die unterschiedlichen Religionen und Nationalitäten als Chance wahrzunehmen. Die Verbindung von eigenen und fremden Traditionen könne wohltuend sein. Der Friede zwischen Einheimischen und Ausländern sei eine Bereicherung, unterstrich er. Die Zahl der Christen unter den 70 Millionen Einwohnern der Türkei wird auf rund 100.000 geschätzt.Ein halbes Jahr nach der Ermordung der christlichen Mitarbeiter eines Bibelverlages im osttürkischen Malatya stehen die Gottesdienste der deutschen Gemeinde in Istanbul noch immer unter Polizeischutz. Es herrsche in der Gemeinde eine große Unsicherheit, erklärte der westfälische Pfarrer Holger Nollmann, der die rund 200 Mitglieder zählende deutschsprachige Gemeinde in Istanbul betreut. Die mutmaßlichen Täter hatten für die Ermordung nationalistische und religiöse Gründe als Motive der Tat angaben.