24.09.2007

Streit zwischen Wallraff und Kölner Muslimen verschärft Keine Wallraff-Lesung in Moschee

Zwischen Günter Wallraff und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) ist ein heftiger Streit um die Lesung von Salman Rusdies "Satanischen Verse" in einer Moschee entbrannt. Die "persönliche Attacke" des Schriftstellers gegen DITIB-Präsident Sadi Arslan nach Absage der Veranstaltung sei unverständlich, erklärte der Verband am Dienstag in Köln.
Wallraff habe sich als kompromisslos erwiesen und kein Verständnis für die Gefühle der Muslime gezeigt.

Der Autor sei wohl enttäuscht, seine Ziele nicht erreicht zu haben. Wallraff hatte zwei Monate lang mit der DITIB darüber verhandelt, in der Moschee in Köln-Ehrenfeld aus dem von Muslimen kritisierten Roman vorzulesen. Der Verband entschied sich am Montag gegen das Projekt.Man habe sich mit Wallraff nicht über den Charakter der Veranstaltung einigen können, hieß es. Der Schriftsteller habe den Kompromissvorschlag abgelehnt, die Lesung außerhalb des Moscheegeländes im Rahmen einer Veranstaltungsreihe über "Islam, Demokratie und Integration" durchzuführen. Die DITIB-Führung sei sich einig gewesen, dass eine Lesung auf dem Moscheegelände nicht der Integration dienen würde.Türkei-Reise angekündigtNach Absage der Veranstaltung hatte der Schriftsteller Arslan im Kölner "Express" als "Aufpasser, Wächter, Abschirmer im Auftrag des türkischen Staates" bezeichnet. Er sei "ein türkischer Beamter", der sich wenig für die Integration seiner Organisation und der hier lebenden türkischen Muslime einsetze. Aufgeben werde er aber nicht, betonte Wallraff: "Ich bin Langstreckenläufer und Ausdauersportler. Ich werde in die Türkei reisen, um beim Chef der Religionsbehörde Überzeugungsarbeit zu leisten."DITIB ist Dachverband von bundesweit 765 Moscheegemeinden und eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden.Radikale Muslime sehen in dem Roman von Rushdie eine Diffamierung des Koran. Wegen des Buches wurde im Iran eine Fatwa gegen den Autor verhängt.