23.09.2007

Organstiftung Eurotransplant wird 40 Jahre alt Um Leben und Tod

Es geht um Leben und Tod - und manchmal um Minuten:
Wenn irgendwo in Mitteleuropa ein Organ gespendet wird, müssen
Ärzte und Mitarbeiter der Stiftung Eurotransplant im
niederländischen Leiden schnell entscheiden, wie Leber, Herz oder
Niere zu welchem Empfänger gelangen. Seit 40 Jahren ist
Eurotransplant die zentrale Vermittlungs- und
Koordinierungsstelle für die Organe hirntoter Spender aus
Deutschland, Österreich, den Benelux-Ländern, Slowenien und
Kroatien - ein Einzugsgebiet von mehr als 123 Millionen Menschen.

Nach Meinung der Gesundheitsminister der beteiligten Länder hatsich die Zusammenarbeit gelohnt. Sie treffen sich am Montag ausAnlass des Jubiläums im niederländischen Valkenburg, um überStrategien gegen den Mangel an Spender-Organen zu beraten und dieZusammenarbeit über Eurotransplant zu bekräftigen. Seit derGründung der Stiftung haben mehr als 122.000 Europäer überEurotransplant ein Spenderorgan erhalten. In Leiden wird diezentrale Warteliste erstellt. Hier sind im Computer die Daten derpotenziellen Empfänger gespeichert: etwa Blutgruppe,Gewebeeigenschaften, Erkrankungsursache, Dringlichkeit und dasKrankenhaus, in dem der Patient behandelt wird.Eurotransplant wurde 1967 von dem niederländischen Mediziner Jonvan Rood gegründet. Wichtigstes Ziel war die Registrierung vonPatienten, die auf ein Spenderorgan warten, über Ländergrenzenhinweg. Van Roods Vermutung war, dass sich durch eine großeWarteliste die Transplantationsergebnisse wesentlich verbessernließen. So werde die Wahrscheinlichkeit größer, dass Spender undEmpfänger ausfindig gemacht werden können, deren immunologischeDaten zueinander passen. Derzeit sind über die mehr als 190beteiligten Transplantationskliniken rund 15.000 Patienten aufder Warteliste verzeichnet.Eurotransplant befasste sich zunächst ausschließlich mitNierentransplantationen, dehnte sein Arbeitsgebiet jedoch nachund nach aus. Heute vermittelt die Stelle Leber- undHerztransplantationen, Pankreastransplantationen sowie seitkurzem auch Lungen- und Zwölffingerdarmtransplantationen.Die Spenderorgane werden nach festgelegten Kriterien an dieWartelisten-Patienten vergeben. Im Vordergrund stehenVerträglichkeit, Erfolgsaussicht, Wartezeit und Dringlichkeit.Für Deutschland hat die Bundesärztekammer Richtlinien für dieOrganvermittlung erlassen. Ziel von Eurotransplant istgrößtmögliche Transparenz in diesem sensiblen und hochumstrittenen Bereich. Stichworte wie Organhandel oder die Debatteum den Hirntod haben bei vielen Menschen Misstrauen gegenüber derTransplantationsmedizin geweckt.Bei der Verteilung der Organe spielt auch die Spendenbereitschaftdes jeweiligen Landes eine Rolle. Allerdings profitiertDeutschland, das eine eher geringe Spenderate hat, von anderenLändern. Seit dem Start von Eurotransplant führt dieBundesrepublik mehr Organe ein, als sie selber zur Verfügungstellt. Die Rolle des Exporteurs in diesem Verbund spielen unteranderem Belgien und Österreich. Die negative deutsche Bilanz gibtbei den anderen Mitgliedsstaaten immer wieder Anlass zuDiskussionen.Debatten lösten Ende August auch mehrere Lebertransplantationenam Uniklinikum Kiel aus. Dort hatten arabische PatientenSpenderorgane erhalten, obwohl diese grundsätzlich nur fürEmpfänger aus dem Eurotransplant-Raum vorgesehen sind.Bundesärztekammer und Eurotransplant forderten daraufhin einegesetzliche Neuregelung für die Behandlung ausländischerTransplantationspatienten in Europa. Es gehe um Glaubwürdigkeitund Gerechtigkeit.