17.09.2007

Polen: Umstrittener Chef von "Radio-Maria" wird zum Wahlkampfthema Von Hexen und Kuschern

Polens größte Oppositionspartei macht den Chef des Kirchensenders "Radio Maryja", Pater Tadeusz Rydzyk, zu einem ihrer zentralen Themen im Wahlkampf. Der erste TV-Spot der rechtsliberalen Bürgerplattform, der nun im Fernsehen läuft, dreht sich um den umstrittenen Pater.

Die PO wirft darin der rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) vor, sie kusche vor Rydzyk, obwohl er die Präsidentengattin Maria Kaczynska als "Hexe" beschimpft habe.In dem Wahlkampfspot ist neben dieser Beleidigung zu hören, wie Rydzyk an Kaczynska den Satz richtet: "Wenn schon Menschen töten, dann stell' dich als erste hin." Die Tonaufnahmen stammen aus dem Mitschnitt einer Hochschulvorlesung des Senderchefs. Dann sagt ein Sprecher aus dem Off: "Für die PiS sind manche Leute unantastbar." Am Schluss verspricht der PO-Vorsitzende und Spitzenkandidat Donald Tusk, er werde dies ändern. Die Polen wählen am 21. Oktober ein neues Parlament.Ministerpräsident Kaczynski lobt KirchensenderMinisterpräsident Jaroslaw Kaczynski (PiS) hatte den Leiter des regierungsnahen Rundfunkprogramms mehrfach verteidigt und gelobt. "Radio Maryja" stärke seine Partei im Kampf gegen den Postkommunismus, sagte der Regierungschef zuletzt am Donnerstag in einem Zeitungsinterview. Die First Lady sowie Staatspräsident Lech Kaczynski (PiS), den Rydzyk als "Betrüger" beschimpft hatte, verzichteten auf eine Strafanzeige gegen den Geistlichen.Der geheime Mitschnitt von Rydzyks Schmährede hatte nach seiner Veröffentlichung durch ein Nachrichtenmagazin im Juli große Empörung in Polen ausgelöst. Zahlreiche Politiker und Bischöfe fordern die Absetzung des Senderchefs. Das heftig umstrittene "Radio Maryja" gilt als Königsmacher der Kaczynskis. 2005 trug es mit seinen Wahlaufrufen maßgeblich zu den Siegen der Zwillinge bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen bei.Für den nun einsetzenden Wahlkampf soll es laut Presseberichten ein Abkommen zwischen dem nach Hörerzahlen fünftgrößten Sender des Landes und der PiS geben. Jaroslaw Kaczynski bestreitet dies.