13.09.2007

Medizinische Hilfe für Obdachlose auch in Köln finanziell gesichert Nicht unversorgt auf der Platte

Nach Essen, Bielefeld und Düsseldorf hat jetzt auch Köln ein Finanzkonzept für die medizinische Versorgung obdachloser Menschen. "Endlich haben wir eine gesicherte Finanzierung für unseren mobilen medizinischen Dienst", sagte die Kölner Sozialdezernentin Marlis Bredehorst bei einem Pressegespräch in Köln. Angewendet werden soll das vom NRW-Gesundheitsministerium angeregte bundesweit einmalige Konzept, auf das sich die Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärztekammern und Kommunalen Spitzenverbände Anfang 2006 geeinigt hatten.

Sie hatten eine Fallpauschale pro Patient und Quartal von 157 Euro vereinbart, die sich Kassen, Ärzteschaft und Kommunen teilen. Die Städte zahlen 58 Euro, die Krankenkassen rund 30, und die Ärzteschaft mit ihren Kassenärztlichen Vereinigungen und den Ärztekammern übernimmt 69 Euro. Diese Regelung gilt nun auch für Köln. "157 Euro sind mehr als für einen Normalversicherten zur Verfügung stehen. Aber die Krankenkassen haben eingesehen, dass Wohnungslose eben auch anders behandelt werden müssen", sagte Jan Leidel, Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, in dem der mobile Dienst angesiedelt ist: "Da ist mehr Ansprache und Präsenz nötig."Der Kölner mobile Dienst beschäftigt drei Ärzte und zwei Krankenschwestern. Sie halten Sprechstunden in Einrichtungen für Wohnungslose ab und versorgen sie auf der Straße. "Das sind die Patienten, die als ,nicht wartezimmerfähig' bezeichnet werden", sagte Bredehorst. Viele Wohnungslose hätten Hemmungen, Arztpraxen aufzusuchen. In Köln leben etwa 2.000 Menschen ohne Wohnung, landesweit rechnet man mit rund 20.000.1.400 Wohnungslose pro Jahr besuchen die Sprechstunden des mobilen Dienstes in Köln. Die Zahl sei seit Jahren stabil, so Leidel. "In 30 Prozent aller Fälle handelt es sich um chirurgische Behandlungen von Verletzungen", berichtet die städtische Ärztin Ina Hagen aus der Praxis. Ein weiteres Drittel machen internistische Erkrankungen aus. Bronchitis, Herzkrankheiten und Folgeschäden von Suchterkrankungen stünden da im Vordergrund.