30.08.2007

Ökumenische Versammlung will klare politische Signale setzen: Migrations- und die Umweltpolitik Deutliche Botschaften

"Es ist nicht hinnehmbar, dass Migranten in vielen europäischen Ländern als Kriminelle behandelt werden", sagte der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Jean-Arnold de Clermont. Zu dem am Dienstagabend beginnenden Treffen werden rund 2.500 Teilnehmer aus allen christlichen Konfessionen in der Europäischen Kulturhauptstadt 2007 erwartet. Die Mehrzahl von ihnen ist katholisch.

Der Generalsekretär des Rates der katholischen europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), Aldo Giordano, verwies auf die Begegnung zwischen Ost und West in Sibiu: "Wir sind hier, um uns besser kennenzulernen." Zu den Teilnehmern der EÖV3, die am Sonntag endet, zählen auch der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., der päpstliche "Ökumene-Minister" Kardinal Walter Kasper, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, und der anglikanische Bischof von London, Richard Chartres. Gastgeberin ist die rumänisch-orthodoxe Kirche.Clermont sagte, angesichts des Klimawandels hätten die Christen die Verantwortung, sich für Wiederaufforstung und nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen. Die Bewahrung der Schöpfung zählt zu den Hauptthemen des Treffens in Sibiu, das bis Sonntag dauert."Oberflächlichkeit hindert Ökumene"Ein weiteres ist nach Worten Giordanos die Auseinandersetzung mit der Säkularisierung in Europa. Dabei gehe es auch um die "Identität der Kirchen" und die Aufgabe, das Evangelium zu vertiefen. Die "Oberflächlichkeit des christlichen Lebens" sei das erste Hindernis für die Ökumene, so der italienische Geistliche.Nach den Worten der Veranstalter sollen die jüngsten ökumenischen Verstimmungen nicht zu den zentralen Themen in Sibiu gehören. Die Vatikan-Erklärung zum Kirchenverständnis habe große Diskussionen ausgelöst, räumte Giordano ein. Sie stehe aber bei der EÖV3 nicht im Mittelpunkt. In dem im Juli veröffentlichten Papier hatte der Vatikan seine Auffassung von der Einzigartigkeit der katholischen Kirche bekräftigt.Das sei "überhaupt nicht neu", sagte Clermont. Die Frage sei aber eher intern katholisch. "Die Erklärung bedeutet nicht, dass wir unser ökumenisches Leben einstellen und die ökumenische Reise beenden", so der französische Pfarrer. EKD-Ratschef Huber will die Frage bei einem Vortrag am Mittwoch thematisieren.Mehrheitlich KatholikenZur EÖV3 werden nach Veranstalterangaben 2.498 Teilnehmer erwartet, darunter 1.538 Delegierte und 300 freiwillige Helfer.Unter den Teilnehmern stellen die Katholiken mit 51,1 Prozent überraschend die Mehrheit. Die evangelischen Kirchen sind mit29,6 Prozent der Teilnehmer vertreten; 11,8 Prozent sind Orthodoxe. 5 Prozent der Delegierten wurden von ökumenischen Organisationen entsandt. Gäste des Treffens sind auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, Rumäniens Staatspräsident Traian Basescu und Ministerpräsident Calin Popescu-Tariceanu. Rumänien gehört seit Januar zur Europäischen Union.Neue Impulse erhofftDie Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, erhofft sich von der EÖV3 ökumenische und interkulturelle Signale. Dort müssten Leitlinien für die weitere Zusammenarbeit der Kirchen in Europa festgelegt werden, sagte Fischbach, die Mitglied der katholischen deutschen Delegation ist.Die deutsche Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" erklärte, die Kirchen müssten selbst "sichtbare Zeichen der eigenen Erneuerung und der Einheit untereinander setzen". Die Versöhnung zwischen den Konfessionen und Religionen sei ein "eminent wichtiger Baustein für das weitere Zusammenwachsen Europas". Gerade angesichts der ins Stocken geratenen ökumenischen Prozesse sollten sich die Delegierten an die erfolgreichen Vorgängertreffen erinnern. Die ersten beiden Europäischen Ökumenischen Versammlungen hatten 1989 in Basel und 1997 in Graz stattgefunden."Wir sind Kirche" zeigte sich verärgert, dass der Vatikan den Besuch von Papst Benedikt XVI. ins nahe Österreich zeitgleich zum Abschluss der EÖV3 gelegt habe. Damit werde der ökumenischen Versammlung Aufmerksamkeit entzogen. Benedikt XVI. bereist von Freitag bis Sonntag Wien und den Wallfahrtsort Mariazell. Er will sich mit einer Botschaft an die Teilnehmer der EÖV3 wenden.