10.07.2007

Bischöfe Fürst und Müller zum Schreiben der Glaubenskongregation "Raum für ökumenische Wertschätzung"

Was auf den ersten Blick als eine Erschwerung des ökumenischen Dialogs erscheinen könne, erweise sich bei näherem Hinsehen als Ansporn für das weitere Gespräch zwischen den Kirchen. Darauf hat der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst im Zusammenhang mit dem Dokument der römischen Kongregation für die Glaubenslehre hingewiesen. Der Regensburger Bischof Gerhard-Ludwig Müller, bei der deutschen Bischofskonferenz zuständig für den ökumenischen Dialog ruft zum fachlichen Dialog auf, im Kirchenverständnis gebe es dogmatische Unterschiede, psychologische Betroffenheit helfe nicht weiter.

In diesem Dokument wird die Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils und späterer vatikanischer Erklärungen aufgegriffen, dass die einzige Kirche Christi in der katholischen Kirche verwirklicht ist („subsistit in"). Für das Gespräch mit den Kirchen der Reformation, so Bischof Fürst, sei aber vor allem die Aussage des Dokuments von Bedeutung, welche die Gleichsetzung Kirche = katholische Kirche einschränkt. Nach katholischer Lehre, so wird in dem Schreiben formuliert, könne man mit Fug und Recht sagen, „dass in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, kraft der in ihnen vorhandenen Elemente der Heiligung und der Wahrheit die Kirche Christi gegenwärtig und wirksam" sei. Die sei, so Bischof Fürst, bereits von Papst Johannes Paul II. in der 1995 veröffentlichten Enzyklika „Ut unum sint" („Damit sie eins seien") in Weiterführung der Konzilsaussagen betont worden.Beide Aussagen - der Anspruch der Identität der katholischen Kirche mit der Kirche Christ sowie die Anerkennung der Gegenwart und Wirkkraft dieser Kirche auch in den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften - müssten in ihrer Spannung gesehen und ausgehalten werden. „Diese Spannung macht die Wunde der Kirchentrennung deutlich, die schmerzhaft ist und jeden schmerzen muss, dem es ernst ist mit der Glaubwürdigkeit der Kirche", sagte der Rottenburger Bischof. Sie diene der gegenseitigen Ehrlichkeit im ökumenischen Gespräch, sie gebe aber auch Raum für eine ökumenische Wertschätzung, die eine tiefe theologische Begründung habe und sich nicht in menschlichen Nettigkeiten erschöpfe, betonte Bischof Fürst. Fruchtbar und weiterführend sei eine Haltung, in der sich berechtigtes Selbstbewusstsein mit dem ehrlichen Zugeständnis aller Partner verbinde, stets hinter dem Anspruch des Evangeliums zurück zu bleiben. Im konkreten praktisch-pastoralen Umgang miteinander sei es jetzt und auch in Zukunft selbstverständlich, dass man von den Stärken des anderen lerne, ihn in seinen Schwächen unterstütze und nach gemeinsamen Wegen suche, wo immer dies möglich und nötig sei, sagte Bischof Fürst.