26.06.2007

Der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, Prälat Dr. Karl Jüsten, sieht auch die Kirche in Europa gut vertreten Eine „2+“ für Merkel zum Ende der EU-Ratspräsidentschaft

Ein großer Erfolg der deutschen Ratspräsidentschaft sei es gewesen, dass die Grundrechte-Charta in ihren wesentlichen Bestandteilen erhalten bleibt, sagte Prälat Dr. Karl Jüsten im domradio-Interview. Zudem würde das christlich-jüdische Erbe Europas im Grundlagenvertrag erwähnt, und die EU habe sich verpflichtet, einen regelmäßigen Dialog mit den Kirchen zu führen. Forderungen, die der Kirche sehr wichtig gewesen seien. Ein Wehrmutstropfen laut Jüsten: Der fehlende Gottesbezug in der Grundrechte-Charta. Auch im Bereich der Bio-Ethik hätten die Kirchen mehr Engagement von der Politik erwartet. Dort würde beispielsweise durch immer neue Forschungsförderungen und –programme der Lebensschutz unterwandert, ohne dass eine Diskussion darüber in der Gesellschaft stattfinde. Jüsten: „Das sind alles Dinge, die wir natürlich nach wie vor auch kritisieren und die wir im künftigen, werdenden Europa weiterhin anprangern“. Insgesamt sei durch die EU-Ratspräsidentschaft das Ansehen Deutschlands gestiegen. Allerdings sei Deutschland schon immer ein Motor innerhalb der EU gewesen, habe Europa zusammengehalten und zwischen den verschiedenen Interessenslagen vermittelt. Bundeskanzlerin Merkel habe während des Vorsitzes sehr viel Wert darauf gelegt, die kleineren Staaten und Mittelmächte Europas mit einzubeziehen. Die sechsmonatige EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands endet am kommenden Wochenende. Zum 1. Juli wird Portugal für ein halbes Jahr den Ratsvorsitz übernehmen.