11.06.2007

Der Papst schließt die personelle Vatikan-Umgestaltung ab Langsam, aber konsequent

Zwar stehen noch einige Veränderungen aus, dennoch: Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt hat Benedikt XVI. die personelle Umgestaltung an der Spitze der römischen Kurie praktisch abgeschlossen. Es war ein Umbau auf vielen Raten. Nicht überstürzt, sondern behutsam Schritt für Schritt.

Alte Crew ist abgelöstDas Führungs-Trio des Staatssekretariats als Leitungsorgan der Kurie ist komplett ausgetauscht. Nach der Nominierung von Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone (72) und Außenminister Dominique Mamberti (55) im Herbst hat der Papst am Wochenende einen neuen Innenminister ernannt: den italienischen Spitzendiplomaten Fernando Filone (61).Damit ist die alte Crew aus dem Pontifikat Johannes Paul II. abgelöst. Der frühere Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano ging in Pension; im November wird er 80. Außenminister Giovanni Lajolo (72) stieg zum Chef des Vatikanstaates auf und erhält demnächst den Kardinalspurpur. Ebenso der bisherige Substitut und Innenminister Leonardo Sandri (63), der Präfekt der Ostkirchen-Kongregation wurde.Die neue Führungskonstellation wirkt durchdacht Dass sich der Papst aus Deutschland einen italienischen Kardinal-Staatssekretär aussuchte, lag auf der Hand. Dass er mit Bertone einen alten Vertrauten aus gemeinsamer Arbeit in der Glaubenskongregation wählte, ist menschlich verständlich - und unterstreicht zugleich sein Verständnis von Kirchenleitung. Denn wie Joseph Ratzinger versteht sich auch sein "zweiter Mann" mehr als Theologe und Seelsorger denn als Politiker, Diplomat oder Manager. Demnach war es freilich konsequent, dass die beiden übrigen Spitzenpositionen mit Vollblut-Diplomaten besetzt wurden, einem Franzosen und einem Italiener.Mamberti hat sich als Nuntius auf dem schwierigen Botschafterposten im Sudan und in Eritrea bewährt. Der in Marokko geborene Franzose kennt die arabische Welt auch von anderen Nuntiaturen, hat Kenntnis vom Islam. Letzteres gilt auch für Filoni, bei dem als neuem Innenminister die Fäden der päpstlichen Nuntiaturen zusammenlaufen.Krisendiplomatie von Papst Johannes Paul II. koordiniertFiloni sorgte während des Irak-Krieges 2003 international für Aufsehen, als er als einziger ausländischer Diplomat in Bagdad ausharrte. Zudem hat er im Vorfeld des Krieges die vielbewunderte Krisendiplomatie von Papst Johannes Paul II. vor Ort koordiniert. Er begleitete den vatikanischen Troubleshooter Kardinal Roger Etchegaray zum Gespräch mit Saddam Hussein und hielt den Kontakt zu Saddams Stellvertreter Tarik Asis.Filoni bringt aber auch noch eine weitere Erfahrung mit, die für den Vatikan zunehmend wichtig wird: Als Nuntiatur-Rat auf den Philippinen hatte er etliche Jahre lang die Aufgabe, die Kirche in Hongkong und in der Volksrepublik China aus der Nähe zu beobachten. Diskret, nicht in diplomatischem Auftrag, aber mit einem Dauer-Visum der chinesischen Behörden.Internationale Ausgewogenheit in der SpitzeFür weitere internationale Ausgewogenheit in der Vatikanspitze sorgen der US-Amerikaner William Joseph Levada, Leiter der Glaubenskongregation, sowie der ebenfalls von Benedikt XVI. nominierte Inder Ivan Dias als Chef der Missionskongregation. Sie vertreten am Vatikan die englischsprachige Welt, so wie das spanische Element neuerdings auch durch den Italo-Argentinier Sandri und den Chef der Kleruskongregation, Claudio Hummes, repräsentiert wird.Offen bleibt unterdessen die Besetzung im vatikanischen Dialog-Ministerium. Dessen zeitweise Fusion mit dem Kulturrat wurde wieder rückgängig gemacht. Daher dürfte der französische Kurienkardinal Paul Poupard diese Leitung demnächst abgeben. Als Nachfolger wird neuerdings ein Landsmann genannt: Kardinal Jean Louis Tauran. Als längjähriger Außenminister übernahm er aus Gesundheitsgründen den etwas ruhigeren Posten des Bibliothekars und Archivars der Kirche. Inzwischen scheint er aber so weit erholt, dass er für eine stärker gestaltende Aufgabe im Gespräch ist.