05.06.2007

Globalisierungskritiker eröffnen G-8-Alternativgipfel "Die G8 delegitimieren sich selbst"

Vor dem Start des "G-8-Alternativgipfels" haben teilnehmende Globalisierungskritiker den führenden Industriestaaten Versagen vorgeworfen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, hielt den G-8-Staaten am Dienstag in Rostock vor, den Hunger auf der Welt weitgehend zu ignorieren. Den reichen Industrienationen gehe es bei ihrem Gipfel vor allem um Sicherheit und Investitionen, kritisierte er. Ziegler sollte den dreitägigen Alternativgipfels "Globalisierung gerechter gestalten" am späten Nachmittag in der Rostocker Nikolaikirche eröffnen.

Der Kongress mit rund 1.000 Globalisierungskritikern aus aller Welt will bis Donnerstag über alternative Positionen zur Politik der G-8-Staaten debattieren. Schwerpunkte sind unter anderem Klima und Entwicklung. Ziegler sagte, am "Massaker des Hungers" stürben täglich rund 100.000 Menschen. Dabei könnte die Welt dem UN-Welternährungsbericht zufolge heute problemlos zwölf Millionen Menschen ernähren.Der philippinische Globalisierungskritiker und Träger des Alternativen Nobelpreises, Walden Bello, kritisierte, die deutsche Position zum Klimaschutz werde derzeit zu positiv dargestellt. Zwar habe die Bundesregierung klare Reduktionsziele, diese seien jedoch zu klein. Kein Industrieland habe eine Strategie, um den Energiekonsum in den reichen Ländern radikal zu reduzieren. Stattdessen gehe es um "Wirtschaftswachstum um jeden Preis".Karsten Smid von Greenpeace Deutschland kritisierte, die G-8 seien nicht einmal fähig, die wirklichen Probleme der Welt zu benennen. Mit der nichtssagenden "Gipfelrhetorik", wie sie etwa in dem vorab bekannt gewordenen Abschlussdokument des Gipfels deutlich werde, "delegitimieren die G-8 sich selbst".Jane Nalunga von der afrikanischen Organisation SEATINI, die sich mit dem Welthandel befasst, sagte, es dürfe auf dem Gipfel nicht um mehr Entwicklungshilfe und weitere Schuldenerlasse für Afrika gehen. Was der Kontinent brauche, sei ein Stopp des "Ausverkaufs seiner Rohstoffe" und ein gerechtes Welthandelssystem.