08.05.2007

Der Franziskaner Frei Galvao wird Brasiliens erster Heiliger Poet, Maurer, Wundertäter

Am Freitag werden rund eine Million Gläubige erwartet, wenn Papst Benedikt XVI. in Sao Paulo den Franziskanerbruder Frei Galvao (1739-1822), eine der populärsten religiösen Persönlichkeiten Brasiliens, heiligspricht. Auf dem Weg zur feierlichen Messe auf dem "Campo de Marte" fährt der Papst direkt am Kloster "Mosteiro da Luz" vorbei, das Frei Galvao einst im barocken Kolonialstil entwarf und in dem er auch begraben liegt. Weil Galvao nicht nur plante und die Bauarbeiten leitete, sondern selbst als Maurer Stein auf Stein setzte, ist er seit langem Brasiliens Schutzpatron der Bauarbeiter.

Schon verehrt zu LebzeitenGerade die Armen und selbst die Sklaven verehrten den Ordensmann schon zu Lebzeiten, weil er sich für ihre Belange einsetzte, den Herrschenden aber stets die Stirn bot. 1780 verteidigte Frei Galvao einen Soldaten, den die Behörden aus nichtigem Anlass hinrichten lassen wollten. Der angehende Heilige wurde aus der Stadt verbannt, der Soldat erhängt. Doch das Volk, darunter auch bewaffnete Großgrundbesitzer und ihre Sklaven, belagerten das Haus des Gouverneurs, bis dieser die Verbannung zurücknahm.Frei Galvao, ein eleganter, hoch gewachsener Mann, war indessen auch Poet und Literat. Zu seiner Aufnahme in Brasiliens erste Dichterakademie deklamierte er 1770 vier Stunden lang eigene Dichtungen - in lateinischer Sprache.Wundertäter in ausweglosen SituationenDoch verehrt wird er von den Brasilianern bis heute vor allem als Wundertäter in ausweglosen Situationen. Das Volk spricht ihm Zehntausende Wunder zu, vor allem Heilungen und Hilfe bei komplizierten Schwangerschaften. 1998 erkannte der Vatikan nach eingehender Prüfung ein erstes Wunder an: Ein vierjähriges Mädchen, das wegen Infektionen und Herzstillstand bereits verloren schien, wurde plötzlich wieder völlig gesund. Im gleichen Jahr wurde Galvao von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Ein zweites Wunder wurde 1999 anerkannt: ein Neugeborenes überlebte trotz gegenteiliger Prognosen der Ärzte.In beiden Fällen wurden die Wunder auch den begehrten "Pilulas de Frei Galvao" zugeschrieben. Wenn Padre Galvao nämlich nicht sofort zu einem Schwerkranken oder einer Gebärenden eilen konnte, schrieb er ein kurzes Gebet auf zwei Papierzettel. Er schnitt sie in je drei Stückchen, rollte sie wie zu einer Pille zusammen und bat die Angehörigen, den Patienten die "Pilula" zu geben. Die Kunde von den wirksamen Wunderpillen des Frei Galvao verbreitete sich rasch im gesamten Riesenland.Lange Schlange von Gläubigen - jeden MorgenBis heute bildet sich vor dem "Mosteiro da Luz" von Sao Paulo jeden Morgen eine lange Schlange von Gläubigen, die auf täglich mehr als 5.000 Pillen warten. Nonnen in Frei Galvaos Geburtsstadt Guaratingueta stellen sie getreu dem Original her, nur einige hundert Schritte entfernt von seinem schmucken Geburtshaus. Thereza und Tom Maia, Nachfahren von Galvaos Familie, haben es zu einem kleinen Privatmuseum umgebaut. Sie können sich jetzt, kurz vor der Heiligsprechung, vor Pilgern und Touristen kaum retten. "Irgendwie ist fast jeder mit Galvao verwandt"Sogar aus den USA und Südafrika, Portugal und Spanien kommen immer mehr Anhänger des künftigen "Santo", dessen vollständiger Name Antonio de Sant'Ana Galvao lautet.Die 100.000-Einwohner-Stadt liegt nur einen Katzensprung vom berühmten Wallfahrtsort Aparecida entfernt, den der Papst bei seiner Reise ebenfalls besuchen wird. "Für uns hier in Guaratingueta ist Galvao seit jeher ein Heiliger", sagen Thereza und Tom. Vielleicht trägt zu dieser Verehrung auch die Tatsache bei, dass Galvao zehn Brüder hatte - und damit, so fügt Thereza hinzu, heute in Guaratingueta "irgendwie fast jeder mit unserer Familie verwandt ist".