16.03.2007

Bundestagsvizepräsident Thierse beendet Italien-Besuch Vatikan will EU-Verfassung, Berlin dankt

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse begrüßt den Einsatz des Vatikan für die EU-Verfassung. "Alles ist hilfreich, was die Anstrengungen Deutschlands unterstützt, den Verfassungsprozess wieder in Gang zu setzen", sagte Thierse gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur. Noch diesen Monat will Papst Benedikt sich persönlich zu Wort melden.

Papst Benedikt XVI. plant Erklärung zur EU-PolitikKardinal-Staatssekretär Bertone habe ihm gegenüber die Erwartung geäußert, dass es unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft einen verbindlichen Fahrplan für neue Verhandlungen gebe.Papst Benedikt XVI. will nach Worten Thierses noch in diesem Monat eine Erklärung zur EU-Politik abgeben. Darin solle es um Fragen der europäischen Identität und ihre Wertegrundlagen gehen.Thierse unterstrich, die EU brauche mehr Gemeinsamkeit nicht nur in der Außen-, Sicherheitspolitik oder Klimapolitik, sondern auch in der Sozialstaatspolitik. Das bedeute aber auch, nationale Lösungen in Frage zu stellen. Der SPD-Politiker, der auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist, hielt sich in der vergangenen Woche zu Gesprächen mit italienischen und vatikanischen Spitzenvertretern in Rom auf.Latein als verbindende Sprache "nicht ganz falsch"Zum am Dienstag veröffentlichten Papst-Schreiben "Sacramentum caritatis" über die Eucharistie sagte Thierse, die Deutschen müssten wissen, dass die Mehrheit der Bischöfe in der Welt nicht so denke und fühle, wie sich viele deutsche Katholiken das wünschten. Er selbst könne "nicht für ganz falsch halten", wenn bei internationalen Gottesdiensten das Lateinische als verbindende Sprache gepflegt würde. Latein jedoch zur Regelsprache für Gemeindegottesdienste zu machen, wäre "ein katastrophaler Rückfall hinter das Zweite Vatikanische Konzil", so Thierse.Mit Blick auf eine Unterredung mit dem Vatikan-Beauftragten für Menschenrechte und Migranten, Kardinal Renato Raffaele Martino, sagte der SPD-Politiker, mit illegaler Zuwanderung und den Problemen der Asylsuchenden könne kein Nationalstaat allein fertig werden. Europa brauche auch auf diesem Feld mehr Gemeinsamkeiten, "auch im Sinn von Aufgaben- und Lastenverteilung, nicht von gemeinsamer Abschottung nach außen".