08.03.2007

Konferenz zum islamischen Feminismus gestartet "Gender Jihad" in Köln

Anlässlich des Internationalen Frauentags hat am Mittwochabend in Köln die dreitägige Konferenz zum islamischen Feminismus "Women in Islam" begonnen. Dabei kommen feministisch-islamische Theologinnen, Autorinnen und Musliminnen zusammen, die sich für Frauenrechte und Gleichstellung einsetzen. Schirmherrin ist die Islambeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün. Im domradio erläutert sie, warum Koran und Frauenrechte kein Paradoxon sein müssen.

Die Signale, die von der Konferenz an die deutsche Öffentlichkeit ausgehen sollen, hält Akgün für besonders wichtig. „In der aktuellen Debatte um Muslime in Deutschland geht es fast nur noch um Zwangsheiraten und Ehrenmorde. Auch die Diskussionen um den Ehegattennachzug werden in völlig irrationaler Weise vom Thema Zwangsheirat dominiert. Der Islam aber ist mehr als Zwangsheirat und Ehrenmorde. Mit dieser Konferenz erbringen wir den lebendigen Beweis: der Islam hat ein liberales und demokratisches Gesicht: nicht jede muslimische Frau ist zwangsverheiratet und nicht jeder Muslim begeht einen Ehrenmord. Frauenrechte und Islam- das ist kein Widerspruch", sagt Dr. Lale Akgün. Aus Anlass des Internationalen Frauentages sind über 30 international bekannte islamische Frauenrechtlerinnen aus Nordafrika, Asien, Afrika den USA und Europa angereist. Sie diskutieren untereinander und mit den insgesamt 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Selbstbestimmung und Gleichberechtigung muslimischer Frauen. „Wie alle Frauen, so kämpfen auch Muslima erfolgreich für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung. Bei diesem Kampf möchten wir sie unterstützen und neue Allianzen schmieden. Die internationale Frauenbewegung braucht die Musliminnen und die Musliminnen brauchen die internationale Frauenbewegung", sagt Dr. Lale Akgün. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer wies darauf hin, dass die Gleichstellung der Frau für die Demokratisierung einer Gesellschaft entscheidend sei. Religion müsse sich an der Gleichheit aller Menschen orientieren und dafür sorgen, dass die Bedingungen dafür erfüllt würden. Zugleich dürften Entscheidungen des Staates nicht mit religiösen Begründungen für alle verbindlich gemacht werden.Zur Situation der Frauen in Deutschland sagte Meyer, hier hätten Feministinnen zwar viel erreicht, aber auch heute seien deutsche Frauen nicht voll gleichberechtigt. So erhielten sie bis zu 25 Prozent weniger Lohn und seien in keinem Aufsichtsrat der großen Aktiengesellschaften vertreten.Dem islamischen Feminismus oder auch „gender jihad" wie er von den islamischen Feministinnen teilweise selbst bezeichnet wird, geht es um eine Neuinterpretation des Islam, abseits von chauvinistischen, homophoben oder sexistischen Lesweisen des Koran.