23.02.2007

dom ERSTER FASTENSONNTAG

25. Februar 2007Die Ur-Versuchung, vor der die Bibel warnt, ist die Versuchung der Selbst-Vergötzung. Jesus begegnet ihr bei einem 40-tägigen Fasten in der Wüste (vgl. das Evangelium).  Die Wüste ist eine Stätte der Gottesbegegnung, aber auch ein Ort tödlicher Gefahr. Fasten ernüchtert. Fasten bringt uns zu uns selbst. Aber das genügt nicht. Wir brauchen Nahrung. Diese Erfahrung reißt aus allen Allmachtsträumen heraus. Wir sind und bleiben auf anderes und andere angewiesen. Wer fastet, stößt irgendwann einmal auf die harte Tatsache, dass er ein Mensch ist und nicht Gott. Der falsche Gott macht Jesus das verlockende Angebot, seine menschliche Bedürftigkeit abzustreifen. Zum Sohn Gottes passt sie nicht. Jesus schlägt das Angebot aus. Der sich von Gott gehalten und gestärkt weiß, hält - bis zuletzt - daran fest, ein schwacher und bedürftiger Mensch zu sein. So zeigt er sich als Gottes Sohn. Kyrie-RufeJesus, Bruder und Herr, du führst uns hinaus aus Not und Bedrängnis.Du gibst uns die Kraft, in der Versuchung zu bestehen.Du weckst in uns die Hoffnung, dass wir mit dir auferstehen.WortgottesdienstErste Lesung„Mein Vater war ein heimatloser Aramäer …" Die Erinnerung an Gottes Wirken in der Geschichte ist für Israel entscheidend. Kanaans Feste hatten ihren Ursprung im bäuerlichen Jahreskreis, doch bald wurden sie mit den Geschichten des Volkes Israel neu gefüllt. Zum Erntedankfest sprach man im Heiligtum ein „kleines Credo". Es erzählt von den umherirrenden Eltern Israels, ihrem Heimischwerden in Ägypten, von ihrer schlimmen Ausbeutung und Bedrückung dort und der wunderbaren Rettung durch Gott, unter dessen Führung sie schließlich in das gelobte Land Kanaan gelangten. Erntedank ist für Israel immer auch Dank für Gottes Handeln in der Geschichte. Die Erinnerung an Erfahrungen eigener Not und Hilfe öffnet die Hände: Der Zehnte, der ins Heiligtum gebracht wird, ist für die Bedrückten, die sozial Schwachen, die Landlosen im Lande bestimmt.  Zweite LesungDie Gemeinde in Rom setzt sich aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Das Zusammenleben von Christusleuten aus dem Judentum und aus dem Heidentum ist alles andere als einfach, ihr Zusammenbleiben eine offene Frage. Was hat diese Menschen überhaupt zusammengebracht? Was gibt ihnen Zusammenhalt? Für Paulus ist es das Bekenntnis, dass Jesus der Herr ist. Das ist kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern ein Wort, das mit dem Herzen bestätigt und mit den Händen getätigt werden will, ein Wort, das das Leben durchpflügt und umbricht, sodass die gute Saat des Evangeliums aufgehen kann. EvangeliumIn der Wüste findet sich Jesus alleine wieder. Er ist den Gewalten ausgesetzt, die Taue sind gekappt. Wovon lebe ich? Was trägt mein Leben? Wer bin ich? Das sind die Fragen, die die Wüste stellt. Es sind keine spielerischen und keine theoretischen Fragen. Jesus wird hin- und hergerissen. Gottes Geist ist bei ihm, aber auch ein Gegengeist, ein Un-Geist. Jesus erlebt schwere Versuchungen. Er kennt sie aus den Lesungen der Synagoge. Jetzt lernt er sie kennen. Die Erfahrung des Hungers, die Israel in seiner Wüstenzeit durchlitten hat. Die Versuchung, Gottes Treue zu missbrauchen. Die Versuchung der Macht, vor der die Heilige Schrift so oft warnt. Jesus weist diese urmenschlichen Versuchungen ab. Gottes Wort kommt ihm dabei zu Hilfe. Jesus vertraut sich Gott ganz an - und findet sich ganz. Zweifache VerheißungDu wirst mir nichts ersparen, nicht den Weg durch die Wüste, nicht den Kampf mit dem Goliath, nicht den Platz auf dem Aschenhaufen des Hiob, nicht den Sitz unter dem Ginsterstrauch, nicht das babylonische Exil -Der Herr ist mein Hirt,Er wird mich ins Grab bringenund wieder heraus - Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir mangeln, nicht die Geborgenheit in der Arche Noas, nicht das Wohnen im Zelte des Herrn. Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Alles darf mir genommen werdenaußer dem Vertrauen zu Ihm. Martin Gutl