09.02.2007

Altersgerechtes Umbauen - auch in NRW ein Milliardenmarkt Handwerk entdeckt die Senioren

Es ist ein schwerer Einschnitt, vor dem viele Menschen an ihrem Lebensabend stehen: Die Wohnung aufzugeben und in ein Heim oder Seniorenstift zu ziehen, weil man allein nicht mehr zurecht kommt. Doch die meisten alten Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause wohnen bleiben. Für Wirtschaft und Handwerk ein Milliardenmarkt.

Auftragsvolumen von 58 Milliarden Euro möglichAuch im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen machen die Zahlen das Potenzial deutlich: Schon jetzt leben in nahezu jeder dritten der landesweit rund acht Millionen Wohnungen Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Und diese Tendenz ist angesichts der Überalterung der Gesellschaft weiter steigend. Würde man in jede dieser Wohnungen durchschnittlich 20 000 Euro für einen seniorengerechten Umbau investieren, dürfte sich das NRW-Handwerk über ein Auftragsvolumen von 58 Milliarden Euro freuen."Zusammen mit der alters- und behindertengerechten Anpassung von Hotels und Freizeitanlagen ist das ein riesiger Markt", sagt Volker Becker, stellvertretender Leiter des Handwerkszentrums "Wohnen im Alter" in Oberhausen. Die Zweigstelle der Düsseldorfer Handwerkskammer ist für die Branche eines der wichtigsten Informationszentren zum Thema und bietet Handwerkern seit zwei Jahren den bundesweit bisher einmaligen Fernlehrgang "Senioren- und behindertengerechtes Bauen und Wohnen" an.In der Ausbildung den Blick auf das "große Ganze"In dieser sechsmonatigen Ausbildung, die die Kammer zusammen mit dem Fachverband Sanitär-Heizung-Klima NRW entwickelt hat, werden alle Facetten eines Wohnungsumbaus abdeckt - von senioren- und rollstuhlgerechter Küche und Bad bis hin zu Türen, die sich auch von Menschen im Rollstuhl ohne Kraftanstrengung öffnen lassen.Das Handwerkszentrum will damit den Blick der Handwerker auf das "große Ganze" lenken, denn für eine komplette seniorengerechte Gestaltung einer Wohnung müssen alle Gewerke wie Installateure, Schreiner und Elektriker zusammenarbeiten. Das Bewusstsein dafür sei aber noch zu wenig ausgeprägt, stellt Becker fest: "Man kann ein solches Vorhaben nicht isoliert sehen. Ein Handwerker und Ansprechpartner des Kunden muss alle Anforderungen an den Umbau kennen." So nütze ein senioren- oder behindertengerechtes Bad wenig, wenn nicht zugleich der Eingang rollstuhlgerecht umgebaut worden sei.Auch für die Senioren versteht sich das Handwerkszentrum als Ansprechpartner. Denn auch die potenziellen Kunden seien über die heutigen Möglichkeiten eines Umbaus der Wohnung noch zu wenig informiert. Noch in diesem Jahr soll daher auf dem Gelände eine Dauerausstellung eröffnen, die modellhaft seniorengerecht gestaltete Wohnbereiche präsentiert. Ein Online-Anbieterverzeichnis von Handwerkbetrieben gibt es schon, ein Kundeninformationssystem im Internet baut das Zentrum gerade auf.Genug Geld ist daAn der Investitionsbereitschaft der Kunden müssen die Handwerker dabei nicht zweifeln. Nach Berechnungen des NRW-Instituts für Arbeit und Technik leben 80 Prozent der heute über 50-Jährigen in guten bis sehr guten Einkommensverhältnissen mit einem frei verfügbaren Monatseinkommen von 1500 Euro und einen Durchschnittsvermögen von 90 000 Euro. Darüber hinaus sind knapp die Hälfte der 2,9 Millionen Wohnungen mit Menschen über 60 Jahre im Eigentum der Bewohner.Aber auch Mieter müssten keine Befürchtungen haben, beim Thema seniorengerechter Umbau zu kurz zu kommen. Becker: "Die kommerzielle Wohnungswirtschaft geht das Thema strategisch an."