10.07.2001

Nachrichtenarchiv 10.07.2001 11:37 Abschied von Hannelore Kohl -zahlreiche hohe Gäste

Speyer (dpa/lrs) - Sechs Tage nach ihrem Selbstmord wird Hannelore Kohl an diesem Mittwoch nach einer Trauerfeier im Speyerer Dom in ihrer Heimatstadt Ludwigshafen beerdigt. Zu der Trauerfeier (Beginn 14.00 Uhr) für die Frau von Altkanzler Helmut Kohl erwartet Speyer einen großen Andrang von prominenten Gästen, Schaulustigen und Journalisten. Hannelore Kohl hatte sich am Donnerstag im Alter von 68 Jahren in ihrem Privathaus in Oggersheim das Leben genommen. Nach dem Requiem im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) soll sie im Ludwigshafener Familiengrab der Kohls beigesetzt werden.Mehrere amtierende und ehemalige ausländische Regierungschefs sowie die Mehrzahl der Mitglieder früherer Regierungen unter Kohl stehen auf der Gästeliste für die Trauerfeier. Wie am Dienstag verlautete, sind darunter der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker sowie Italiens Europaminister Rocco Buttiglione.Erwartet werden auch der frühere indonesische Regierungschef Bacharuddin Jusuf Habibie und der belgische Ex-Ministerpräsident Wilfried Martens. Sie alle hatten auch enge private Bindungen zur Kohl-Familie. Erwartet wird auch der ehemalige Präsident der EU-Kommission, Jacques Delors. Die Schwiegereltern von Peter Kohl, einem der beiden Söhne des Altkanzlers, kommen aus der Türkei zu der Beerdigung nach Deutschland.Der Sarg von Hannelore Kohl wird bereits am Vormittag im Dom aufgestellt. 'Ab 12.00 Uhr mittags werden dann die Tore geöffnet, damit auch die Bürger Abschied nehmen können', sagte eine Sprecherin der Speyerer Stadtverwaltung. Wegen Restaurierungsarbeiten und Reservierungen im Dom stehen nach Angaben des bischöflichen Ordinariats mit 1500 nur die Hälfte aller Plätze zur Verfügung.Wegen der Trauerfeier wurde eigens ein Castor-Transport aus Norddeutschland abgesagt, um in Speyer genügend Polizisten für die Sicherheit der Gäste vor Ort haben zu können.Ursprünglich sollte die Totenmesse eine Familienfeier werden. Dem-stand ein gewaltiges Interesse von Medien und Bevölkerung entgegen. Wegen des erwarteten Besucherandrangs wird das Requiem über Lautsprecher auf den Domplatz übertragen. Fotografen und Kamerateams sind im Dom nicht zugelassen. Die anschließende Beisetzung auf dem Friedhof Ludwigshafen- Friesenheim soll im engsten Familienkreis bleiben. Abschluss wird ein Essen im 'Deidesheimer Hof, Hannelore und Kohls Lieblingsrestaurant.Gäste der Trauerfeier sind auch die CDU-Vorsitzenden Angela Merkel sowie Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Ferner kommen die ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel (beide FDP). Angesagt haben sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sowie, fast alle CDU-Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzende. Wer von den Sozialdemokraten außer Kanzler Schröder an der Trauerfeier teilnehmen wird, stand noch nicht fest.Nicht nach Speyer kommen wird Kohls Duz-Freund Michail Gorbatschow. Der frühere sowjetische Staats- und Parteichef will in den USA Ex-Präsident George Bush senior treffen.In der Regel werden nur Totenmessen für Gemeindemitglieder in der fast 1000 Jahre alten, sechstürmigen Basilika gehalten. Dennoch sei für jeden Menschen eine Totenmesse möglich - 'egal welcher Konfession', sagte Domdekan Hugo Büchler zu Fragen nach HanneloreKohl, die Protestantin ist. Zudem hat die Familie Kohl seit Jahrzehnten enge Verbindungen zu dem Gotteshaus: Helmut Kohl ist seit langem Förderer des Doms und Vorsitzender des Kuratoriums der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer.Geleitet werden Totenmesse und Beerdigung vom langjährigen Kohl-Freund Erich Ramstetter (75), dem ehemaligen katholischen Stadtdekan von Ludwigshafen. Drei Chöre werden zum Auftakt ein Stück aus Giuseppe Verdis Requiem intonieren. Das Schlusslied auf Wunsch der Familie: 'Nun danket alle Gott'.ARD und RTL werden an diesem Mittwoch in Sondersendungen über die Trauerfeierlichkeiten berichten. Der Trauergottesdienst wird außerdem um 14.00 Uhr im Hörfunk von domradio Köln live übertragen.dpa/lrs