22.02.2001

Steiniger Weg zum Kneipenhit Karneval: „Superjeilezick" die Nummer 1

„Ob irgendwas zum Hit wird oder nicht, kann man erst nach fünf Jahren sagen", meint Jänos Kereszti, Musikredakteur bei WDR 4. Kurzfristige Erfolge in den Verkaufscharts, Applaus bei Sitzungen oder eine „Rakete" in der „Lachenden Kölnarena" - alles schön und gut, aber längst nicht genug. Die wahre Bewährungsprobe für Karnevalsmusik ist die Kneipe. Hier müssen ignorante Diskjockeys und ein Publikum überzeugt werden, das am liebsten Oldies mitgröhlt und jede Stunde einmal „En unserem Veedel" von den Fööss hören will. Neue Sachen haben es schwer.Der inflationäre Anstieg der karnevalistischen  Fernsehsendungen hat in diesem Jahr Höhnern, Räubern, Brings und Bernd Stelter zumindest in die unteren Gefilde der Top 100 der deutschen Charts verholfen. Ein schöner Erfolg, doch kern Garant für späteren Ruhm. Es ist ein langer und steiniger Weg, bis man irgendwann einmal von einer holländischen Blaskapelle im Rosenmontagszoch gespielt wird. Erst dann hat man es wirklich geschafft.Den Knaller dieser Session hat ausgerechnet Brings gelandet. Der Karneval hat den arg abstiegsbedrohten Kölschrockern zu einem neuen Höhenflug verholfen, die „Superjeilezick" zu mehr als 50 Auftritten in den Sitzungssälen. Auch für Klaus Huber, stellvertretender Chefredakteur von Radio Köln, und Georg Hinz, der für das Domradio die Karnevalsmusik zusammen gestellt hat, ist der Song die absolute Nummer 1 der Session mit besten Hitqualitäten. „Superjeilezick" ist eine Traumvorlage zum Mitgrölen und Kasatschok auf dem Kneipentisch.Klare Hitqualitäten haben außer Brings vor allem die Höhner, die sicherlich die beste CD („2,3,4") der Session gemacht haben. Kereszti von WDR 4 gibt „Dicke Mädchen haben schöne Namen" sogar bessere Noten als Brings, Die Höhner-CD ist voller guter Songs, kneipentauglich sind „Liebchen" und der Hit im Sitzungskarneval „Heim jom-mer nit"; wunderschön, mit tollem kölschem Text ist „Annemarie" geworden - für Hinz hinter Brings die „persönliche Nummer Zwei der Session". Die Meinungen über die Black Fööss sind 2001 geteilt: „Stippeföttche" war live mit Rosa Funken in den Sälen ein Hit, im Straßen- und Kneipenkarneval dürfte er kaum funktionieren. Der Paveier-Song „Let's go Köl-le" hat - so Hinz und Huber -Chancen, erreicht aber nicht die Klasse alter Hits der Band. Stark gepusht von Radio Köln wird Peter Hörn mit „Jeck op ...". Kereszti sieht noch den „Hände zum Himmel"-NachfoIger der Kolibris und „Da wa ja ma Ha da" von den Räubern vorne. „Ahles für die Katz" wird vom WDR allerdings wegen des Textes nicht gespielt. Einen echten Härtetest vor Tausenden von Jecken haben Bernd Stelters „Ich hab' drei Haare auf der Brust" und vor allem die Binsenweisheit der 3 Colonias „Altbier mäht blöd" schon bestanden. Die „Lachende Kölnarena" jubelte und sang - auch das sind beste Voraussetzungen für einen bleibenden Erinnerungswert.