24.07.2000

Seelsorge Live domradio

"Ein himmlisches Vergnügen" - so lautet das Motto des katholischen "domradios", das seit Pfingsten dieses Jahres aus Köln sendet. Ein Programm, das durchaus mehr bietet als das "Wort zum Sonntag" und Übertragungen von Gottesdiensten.
Kardinal Joachim Meisner kommt ins Studio.

Zur feierlichen Einweihung des Senders bringt er Weihrauch mit, und als er diesen schwenkend im Raum verteilt, passiert es. Die Rauchmelder lösen Feueralarm aus, die Löschfahrzeuge können gerade noch gestoppt werden. Dank dieses Missgeschicks ging der Name des neuen Radios gleich am ersten Tag über die Ticker der Nachrichtenagenturen, die Publicity war perfekt.

Freilich, wer den Hörfunk-Newcomer über die normale Dachantenne empfangen will, wird ihn auf der Frequenzskala seines Empfangsgerätes vergeblich suchen. Denn domradio wird ausschließlich über Satellit (Astra IC und 1D) und in den Kabelnetzen von Nordrhein-Westfalen verbreitet. Zudem können Interessierte ohne Kabel-anschluss oder Satellitenantenne auf das Internet hoffen. Denn auch über dieses Medium soll das Programm in Zukunft zu hören sein. Der Blick ins Programmschema zeigt, dass nicht nur religiöse Themen ihren Platz haben. Stattdessen wird ein ausgewogenes Angebot präsentiert. Die Grundstruktur unterscheidet sich gar nicht allzu sehr von der anderer Sender. Neben Gottesdiensten finden sich Nachrichten sowie Gesprächs- und Kultursendungen im Programm. Die Musik ist zwischen Pop und Rock angesiedelt, Kirchenmusik hat ihren Platz in einer eigenen Sendung. Zudem wird bewusst auf Werbespots verzichtet. So wendet sich domradio besonders an die Hörer, die sich von solchen Unterbrechungen sonst gestört fühlen.

Allerdings versucht der Radiosender im Schatten des Kölner Doms, im Informationsbereich kirchlichen Aspekten genügend Raum zu geben. Zwar werden die Nachrichten beim Münchner Radiodienst BLR eingekauft, die Redaktion bearbeitet sie jedoch und mischt sie mit kirchlichen Themen. Zudem werden die News zur halben Stunde gesendet. Wenn zur vollen Stunde auf allen anderen Kanälen die aktuellen Meldungen verbreitet werden, läuft bei domradio die Sendung "Das Wort": ein kurzer Beitrag zur Besinnung mit biblischen und literarischen Texten. Unter dem Motto "Seelsorge live" soll künftig das Beratungsangebot weiter ausgebaut werden. Damit hofft man, einen Hörerkreis auch jenseits der Kirchgänger zu erschließen.

Ein weiteres Standbein ist der Bereich Bildung. Hier versucht der Sender sich mit einem eher seltenen Format der Berichterstattung: Ähnlich wie beim TV-Informationskanal Phoenix gibt es Live-Mitschnitte von Veranstaltungen, vor allem von Vorträgen beim Bildungswerk e.V. des Erzbistums Köln.

Das "domradio" im Kurzporträt

Chefredakteur: Ingo Brüggenjürgen

Redaktion: Stephan Baur, Angela Krumpen, Thommy Millhome, Stefan Quilitz, Monika Weiss

Sekretariat: Marga Fink, Angelika Heuser, Maria Kuschel

Anschrift: domradio; Domkloster 3; 50667 Köln

Tel.: (02 21)2 58 86-0 ; Fax: (02 21)2 58 86-33

Internet-Adresse: www.domradio.de

Und das Bildungswerk ist auch der direkte Träger des Radios. Diese Konstruktion war für domradio notwendig, um von der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen (LfR) eine Lizenz zu erhalten. Die katholische Kirche finanziert das Projekt vollständig aus Kirchensteuermitteln. Insgesamt verfügt das junge Team aus sechs Redakteuren, Sekretärinnen und Technikern über einen Etat von jährlich 3 Millionen DM.

Vom Himmel gefallen ist domradio natürlich nicht. Das Projekt hat seine Wurzeln in den Radiowerkstätten des Erzbistums Köln. Dort werden "Bürgerfunker" für die NRW-Lokalradios ausgebildet. Dabei hat auch schon ein Großteil der jetzigen Mitarbeiter mitgewirkt. Als 1998 anlässlich des 750-jährigen Domjubiläums für zwei Wochen ein Veranstaltungsradio auf die Beine gestellt wurde, war die Resonanz inner- und außerhalb der Kirche unerwartet positiv. So kam die Idee auf, einen eigenen Radiosender zu gründen. Nach zwei Jahren Vorbereitung wurde dies dann am 11.6.2000 verwirklicht.
Thomas Sommerer