01.07.2000

Nachrichtenarchiv 01.07.2000 12:25 Domradio startet mit Segen und Feueralarm

Auf Weihwasser hatte er extra verzichtet. Der empfindlichen Sendeanlagen wegen. Dafür ging dann beim weihrauchgeschwängerten Segen der Feueralarm los: Der Start des ersten kirchlichen Radiosenders in Deutschland hat dank Kardinal Meisner in Köln Aufsehen erregt. Am Pflngstsonntag ging das "domradio" auf Sendung.Der Regionalsender kann Im Bistum Köln über Kabel und Satellit (Astra IC und lD) empfangen werden. Er kann damit etwa zwei Millionen Wohnungen erreichen.Der Kirchenfunk sendet rund um die Uhr und ohne Werbung. Zehn Stunden werden live moderiert: Von 6 bis 22 Uhr berichtet das Domradio über Kirche, Gesellschaft, Themen, Ereignisse und Menschen. Das Programm ist damit aufgebaut wie das eines kommerziellen Radiosenders auch. Ein paar kirchliche Besonderheiten gibt es trotzdem: Zu Jeder vollen Stunde kommt ein "himmlischer Hit" und dann ein Beitrag namens "Das Wort". Dabei werden kurze biblische und literarische Texte zum Nachdenken verlesen.Jede halbe Stunde kommen weltliche und kirchliche Nachrichten, außerdem bei Gelegenheit Gottesdienstübertragungen aus dem Kölner Dom und anderen Kirchen des Erzbistums. Morgens sendet das Domradio eine Laudes. Am Abend eine Komplet. Als Musik werden durchweg softe Pop- und Rocktitel ausgewählt, dazu einige kölsche Lieder. In besonderen Sendungen wird sonntags geistliche und klassische Musik gespielt.Das Domradio beschäftigt sechs festangestellte Redakteure, einen Techniker und etwa zwanzig freie Mitarbeiter. Träger ist das Bildungswerk der Erzdiözese Köln. Verantwortlich für das Programm zeichnet Joachim Zöller.Die Idee, einen Radiosender zu gründen, war vor zwei Jahren beim 750. Jubiläum des Kölner Domes erstanden. Damals wurde zur Feier zwei Wochen lang Veranstaltungsradio gemacht. Aus dem erfolgreichen Projekt entstand die Idee zu einem kirchlichen Spartenradio. Dadurch und weil das Erzbistum schon seit zehn Jharen im privaten Rundfunk mitarbeitet, waren die Investitionskosten für das Domradio laut Pressestelle des Erzbistums gering. Das Erzbistum verfügte bereits über die notwenige Technik. Pro Jahr rechnen die Betreiber mit laufenden Kosten (Inklusive Personal) von etwa drei Millionen Mark. Das Geld stammt aus dem Etat der Hauptabteilung Bildung und Medien. Durch "Umschichtung" von Mitteln sei der Betrag frei geworden. erklarte deren Dirketor Erwin Müller-Ruckwitt.Das Domradio will laut Presseamt "kirchlich sozialisierte und in der Kirche beheimatete Christen" als Hörer gewinnen, aber auch die sogenannten "treuen Fernstehenden" - Menschen, die nicht regelmäßig In die Kirche gehen, aber bei Lebenswenden die Kirche aufsuchen: Geburt, Erstkommunion, Firmung, Hochzelt, Beerdigung. Außerdem soll das Programm auch die in Kirchenkreisen klangvoll "Menschen guten Willens" genannte Zielgruppe ansprechen: Kirchlich Entfremdete. die Jedoch wertnormativen und kirchlichen Standpunkten offen gegenüber stehen.Das Domradio will nach Angaben der Initiatoren kirchliche Standpunkte in der öffentlichen Meinungsbildung zur Geltung bringen und neue Wege in Pastoral und Verkündigung einschlagen.Vorerst läuft das Projekt noch unter dem Etikett "Experiment". Eine Woche nach Programmstart hatte das Domradio bereits etwa 200 Reaktionen von Hörern erhalten, alleine übers Internet (per E-Mail) meldeten sich etwa 100 Menschen. Durch Höreraktionen soll diese Zahl noch gesteigert werden, denn nur an den Reaktionen der Hörern kann der Sender seinen Erfolg messen. Eine technische Zählung, wieviele Menschen den Sender einschalten. Ist Im Kabel nicht möglich.Werbung zur Finanzierung des Radios wäre nach den Bedingungen des für zehn Jahre geschlossenen Lizenzvertrages möglich. Ist aber vorerst nicht vorgesehen. Der Sender profitiert auch davon nicht kommerziell zu sein: Gebühren für dieCEMA, die bei jedem Titel anfallen, sind dadurch geringer. Das Domradio im Internet: www.domradio.de