Blick auf den Kölner Dom in der Morgensonne
Blick auf den Kölner Dom in der Morgensonne

11.07.2021 - 10:00

Kapitelsamt im Kölner Dom Fünfzehnter Sonntag im Jahreskreis

"Was bedeutet Umkehr? Und wie kann sie gelingen?" Mit diesen Fragen hat sich Generalvikar Markus Hofmann in seiner Predigt beschäftigt. Dabei hat er aufgezeigt, was bei der Umkehr von Bedeutung ist.

"Wir alle haben eine Urerfahrung von dem, was Umkehr bedeutet, sicher schon einmal gemacht," stellt der Kölner Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann zu Beginn seiner Predigt fest. Wer von uns hätte nicht schon einmal einen Weg eingeschlagen, und dann früher oder später bemerkt, dass es nicht der richtige Weg sei, so Hofmann. "Wir mussten dann umkehren, buchstäblich gesprochen."

Aus solchen alltäglichen Erfahrungen wüssten wir, eine Umkehr falle dann nicht allzu schwer, wenn der bisher zurückgelegte Weg noch nicht allzu lange eingeschlagen war. "Eingefahrene Wege, ausgetretene Pfade, Dinge, die wir immer so gemacht haben zu ändern, fällt allerdings dann häufig schwerer," erklärt Hofmann.

Schwierigkeiten bei der Umkehr

Hinzu komme, dass ein bereits länger beschrittener Weg einen immer stärkeren inneren Drang auslöse, ihn doch wie bisher weiter zu gehen. "Es ist, als hätte uns der bisher zurückgelegte Weg ein Stück weit in seiner Gewalt," bemerkt Hofmann. Schon der Prophet Jeremiah habe auf die Schwierigkeit der Veränderung hingewiesen.

"Wir wissen, wie kurzatmig manche unserer guten Vorsätze sind." Bei manchen führe das zu einer Art Resignation. Mitunter entspringe daraus sogar "die Versuchung, das eigene Fehlverhalten dann am liebsten auch noch für gut und richtig zu erklären." Dann brauche es ja keine Umkehr mehr. "Sünde nicht mehr Sünde zu nennen, sondern am besten auch noch öffentlich dafür zu werben," so Hofmann weiter.

Wären aber die Zwölf davon überzeugt gewesen, dass Umkehr gar nicht möglich ist, dann hätten sie sich sicher nicht auf den Weg gemacht. "Sie wussten aus ihrer persönlichen Begegnung mit Jesus, dass das möglich ist," betont Hofmann.

Was ist wichtig für eine wirkliche Umkehr?

Für die Umkehr seien zwei Punkte wichtig. "Erstens: Echte Umkehr zeigt sich in ihrer Unmittelbarkeit." Das 'sofort' spiele in vielen biblischen Berufungserzählungen eine wichtige Rolle, wie etwa bei den Jüngern, die ihre Netze liegen ließen und Jesus nachfolgten, erklärt der Kölner Generalvikar.

Die zweite Eigenschaft echter Umkehr sei mit der ersten eng verbunden: "Die Ausdauer im Neuanfang. Hier und jetzt, nicht nur einmal, nicht nur heute, sondern jeden Tag aufs Neue." Ein Weg bestehe ja aus vielen Schritten. "Und wenn ich mich auf den Weg der Umkehr mache, dann ist es nicht mit einem Schritt in die andere richtige Richtung getan, sondern es bedarf vieler weiterer," stellt Hofmann fest. Entscheidend sei, dass man nicht aufgebe.

"Heute anfangen" und "Ausdauer im Neuanfang": "Wenn ich das tue, dann bin ich einer Woche schon ein gutes Stück weiter auf dem Weg der Umkehr", bekräftigt Hofmann.

Gestaltung und Übertragung

DOMRADIO.DE übertrug am fünfzehnten Sonntag im Jahreskreis das Kapitelsamt aus dem Kölner Dom mit Generalvikar Markus Hofmann. Den Kantorendienst übernahm Oliver Sperling.

An der Domorgel war Ulrich Brüggemann, zweiter Kölner Domorganist. Domkantor Oliver Sperling sang aus dem Gotteslob die sogenannte Paulus-Messe, die auf Melodien des Komponisten Heino Schubert beruht und im Gotteslob ab der Nummer 130 steht.

Die Chöre der Kölner Dommusik sind zurzeit in der Sommerpause, deswegen werden die sonntäglichen Messen im Kölner Dom überwiegend von Kantorinnen und Kantoren gestaltet.

Sonntagsevangelium über die Vollmacht, Dämonen auszutreiben

„In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen.“ (Mk 6,7)

Auslegung zum Sonntagsevangelium (Mk 6,7-13)
von Rudolf Schnackenburg

… Jesus ist mitten in seiner galiläischen Lehrtätigkeit, aber erreicht dabei nur einen begrenzten Kreis von kleinen Ortschaften und will seine Wirksamkeit ausdehnen. Dazu bedient er sich der Zwölf, die er früher erwählt hat (Mk 3,13-16), und sendet sie paarweise aus. …

Die Jünger üben jetzt die Funktion aus, zu der sie Jesus erwählt hat (Mk 3,14 f.). Nach lange genug erfahrener Gemeinschaft mit Jesus sollen sie jetzt auch an Jesu Aufgaben und Vollmacht Anteil haben. Die Zwölf, von Jesus ausgesuchte Repräsentanten Israels, sollen das damalige Israel zur Umkehr rufen und ihm das eschatologische Heil anzeigen (Dämonenbannungen, Krankenheilungen), im Falle der Ablehnung jedoch zu Boten des Gerichts werden.

Für den Evangelisten und seine Leser aber wird diese Jüngermission zum Urbild der Sendung, die der Kirche aufgetragen und anvertraut ist. Mission ist ein Heilsgeschehen, eine Verlängerung des Wirkens Jesu und stellt die Menschen in die Entscheidung. Sie ist ein Heilsangebot in Gottes Namen, das nur bei den Verstockten zum Gericht wird. Die Ursendung der Jünger Jesu wird aber auch zur Mahnung und zum Gewissensspiegel für die späteren Verkündiger. Die Anweisungen, die Jesus den Zwölf damals gab, behalten ihren Sinn und Wert für alle künftigen Glaubensboten …

Aus: Magnificat. Das Stundenbuch. Juli 2021