Zur Person: Paul von Hindenburg

Paul von Hindenburg (shutterstock)

Hindenburg, der am 2. Oktober 1847 in Posen zur Welt kam, war zwischen 1918 und 1933 an «zentralen politischen Weichenstellungen» beteiligt, wie der Historiker Wolfram Pyta schreibt: vom Ende des Deutschen Kaiserreichs bis zur Installation des NS-Regimes 1933. Zu den Merkwürdigkeiten seiner Biografie gehört, dass er erst im Pensionärsalter populär wurde. Wenige Wochen nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der damals 66-jährige General reaktiviert und mit dem Oberkommando der im Osten gegen russische Truppen kämpfenden 8. Armee betraut.

Die kurz darauf gewonnene "Schlacht bei Tannenberg" vom 26. bis 30. August 1914 machte aus dem "Russenschreck" in Windeseile eine der bekanntesten Figuren im späten Kaiserreich - auch wenn bei der Operation der Chef des Generalstabs der 8. Armee, Erich Ludendorff, und Oberstleutnant Max Hoffmann die Fäden in der Hand hielten.

Hindenburgs Anteil an den Planungen tendierte laut Historiker Pyta "gegen Null". Aber dafür entfaltete der General bald schon erstaunliche PR-Aktivitäten in eigener Sache. Er selbst war es, der die Schlacht mit dem Ort Tannenberg in Verbindung brachte, wo ein Ritterheer des Deutschen Ordens 1410 gegen die Polnisch-Litauische Union den Kürzeren gezogen hatte. "Jetzt, nach 504 Jahren, kam die Revanche", bilanzierte Hindenburg.

Geschickt spielte er auf der Klaviatur der Medien. Bald schon erschienen Beiträge, die seine Nervenstärke und Kaltschnäuzigkeit lobten. Hinter dem "Sieger von Tannenberg» konnte sich eine zutiefst verunsicherte Nation versammeln. Dazu passte dessen äußere Erscheinung. "Mit verbürgten 1,83 Meter Körpergröße besaß er für damalige Verhältnisse Gardemaß", so Pyta. "Sein fast quadratischer Schädel hinterließ Eindruck." Und der buschige Schnurrbart wirkte im Unterschied zu dem von Kaiser Wilhelm II. nicht "gestelzt".

Als Hindenburg im August 1916 zusammen mit Ludendorff die Oberste Heeresleitung und damit die operative Verantwortung für das komplette Kriegsgeschehen übernahm, geriet der Kaiser als "oberster Kriegsherr" zusehends in die Defensive. Die erhoffte Wende für Deutschland konnte das neue Duo an der militärischen Spitze nicht bringen. Aber die Fahrt des Kaisers ins niederländische Exil sowie die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen 1918 gingen letztlich auch auf den Druck Hindenburgs zurück.

Der nun folgenden Weimarer Republik erlegte er eine schwere Bürde mit der "Dolchstoßlegende" auf. Das im Feld angeblich unbesiegte Heer sei durch linke Agitation, durch Streiks und Revolten im Innern in die Knie gezwungen worden. In seiner 1920 erschienenen Autobiografie klang das so: "Wie Siegfried unter dem hinterlistigen Speerwurf des grimmen Hagen, so stürzte unsere ermattete Front; vergebens hatte sie versucht, aus dem versiegenden Quell der heimatlichen Kraft neues Leben zu trinken."

Zum zweiten Mal ging Hindenburg in den Ruhestand. Und zum zweiten Mal wurde er reaktiviert. Auf Drängen von Rechts kandidierte er 1925 als Präsident. Nun bekleidete der Monarchist das höchste Amt der Weimarer Republik - und führte sie in den Untergang, indem er 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte. Bis zu seinem Tod 1934 habe Hindenburg dazu beigetragen, das NS-Regime zu stabilisieren, urteilt Pytas Kollege Eckart Conze. (KNA)