Krise in Nicaragua

 (DR)

Seit Wochen gibt es in Nicaragua Massenproteste gegen die sandinistische Regierung um Daniel Ortega. Seine Gegner fordern dessen sofortigen Rücktritt und werfen der Regierung die systematische Gewaltanwendung gegen Demonstranten vor. Die Proteste hatten sich an einer Rentenreform sowie der Unterdrückung der Meinungsfreiheit entzündet. Ortega macht die Protestbewegung für die Gewalt verantwortlich und lehnt bislang einen Rücktritt ab.

Nicaragua kommt seit fast einem Jahr nicht zur Ruhe. Im April vergangenen Jahres begannen Proteste wegen einer geplanten Sozialreform der Regierung, die später zurückgezogen wurde. Die Demonstranten forderten jedoch auch danach den Rücktritt des autoritären Präsidenten Daniel Ortega. Polizei und regierungsnahe Schlägertrupps schlugen diese Proteste gewaltsam nieder. Laut Menschenrechtsorganisationen sind bisher mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen.

Die Kirche versuchte im Rahmen eines "Nationalen Dialogs" zwischen den beiden Lagern zu vermitteln. Der Dialog wurde allerdings mehrmals unterbrochen. Kirchenvertreter hatten Demonstranten in den Gotteshäusern Rückzugsmöglichkeiten gegeben. Sie erhielten daraufhin Morddrohungen. Ein Vorschlag der Bischöfe, die innenpolitische Krise mit vorgezogenen Neuwahlen zu lösen, blieb seitens Ortega bislang unbeantwortet. (dpa, KNA)