Indigenen-Vertreter fordern Unterstützung vom Papst

Jetzt ist Franziskus gefragt

Vertreter des indigenen Volks der Metis aus Kanada fordern Unterstützung vom Papst. Sie hätten mit der Aufarbeitung der Misshandlung von indigenen Kindern in kirchlichen Einrichtungen begonnen, nun sei es am Papst, ihnen zu helfen.

 Indigene und Papst Franziskus
 / © Vatican Media/Romano Siciliani (KNA)
Indigene und Papst Franziskus / © Vatican Media/Romano Siciliani ( KNA )

Das erklärte die Vorsitzende des Metis National Council, Cassidy Caron, nach dem Treffen mit Papst Franziskus.

Franziskus hatte am Montag Indigenen-Vertreter der Metis und Inuit aus Kanada zu privaten Gesprächen im Vatikan empfangen. Begleitet wurden die Repräsentanten von kanadischen Bischöfen. Beide Gespräche seien geprägt gewesen von dem Wunsch des Papstes, zuzuhören und Raum für die schmerzlichen Geschichten der Überlebenden zu schaffen, erklärte der Vatikan danach.

Skandale in Schulen und Erziehungseinrichtungen

Hintergrund der Reise sind die in den vergangenen Jahren zutage getretenen Skandale um Misshandlungen, Missbrauch und teils katastrophale Zustände in früheren kirchlichen Schulen und Erziehungseinrichtungen. Darunter litten vor allem die Kinder indigener Familien.

An den sogenannten Residential Schools (Internaten) sollten indigene Mädchen und Jungen unterrichtet und an die Gesellschaft und Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. Betreiber waren zumeist die Kirchen, das Geld kam vom Staat.

Die Einrichtung einer früheren Kamloops Indian Residential School. Auf dem Grundstück des ehemaligen Internats haben Spezialisten die Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner entdeckt. / © Andrew Snucins/The Canadian Press via ZUMA (dpa)
Die Einrichtung einer früheren Kamloops Indian Residential School. Auf dem Grundstück des ehemaligen Internats haben Spezialisten die Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner entdeckt. / © Andrew Snucins/The Canadian Press via ZUMA ( dpa )

Zudem wurden seit Mai 2021 an ehemaligen Heimen sterbliche Überreste von über 1.000 Kindern entdeckt. Seither steht das Thema im Fokus, in Kanada und international. In dem Zusammenhang wurden Forderungen an den Papst laut, er solle zum Thema Stellung beziehen und nach Kanada kommen.

Reise war coronabedingt verschoben

Die aktuelle Reise der kanadischen Delegation nach Rom war bereits für vergangenen Dezember geplant, wurde jedoch coronabedingt verschoben. Für Franziskus soll es neben den beiden privaten Treffen am Montag ein weiteres mit Vertretern der First Nations am Donnerstag geben.

Geplant ist ebenso eine Abschlussaudienz mit der gesamten Delegation am Freitag. Am Dienstag werden die Indigenen-Vertreter die Vatikanischen Museen besuchen. Die Sammlung des Völkerkundemuseums dort umfasst mehr als 80.000 Objekte, darunter auch Werke indigener Völker.

Wofür steht der Begriff Residential Schools?

An den Residential Schools sollten indigene Mädchen und Jungen unterrichtet und an die Gesellschaft und Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. Betreiber waren zumeist die Kirchen, das Geld kam vom Staat. Diese Form der Zusammenarbeit wurde mit dem Verfassungsgesetz von 1867 und dem Indian Act von 1876 ausgebaut. Darin verpflichtete sich die Regierung in Kanada, den Ureinwohnern einen Zugang zu schulischer Bildung zu ermöglichen.

Kanada, Kamloops: Die ehemalige Kamloops Indian Residential School / © Andrew Snucins (dpa)
Kanada, Kamloops: Die ehemalige Kamloops Indian Residential School / © Andrew Snucins ( dpa )
Quelle:
KNA