DOMRADIO.DE: Können Sie erklären, warum sich so viele Menschen das Video mit den Döner essenden Nonnen angeschaut haben?
Bruder Lukas Boving OSB (Benediktiner aus dem Kloster Nütschau): Natürlich. Das liegt ganz einfach daran, dass es ungewöhnliche Bilder sind. Zwei Welten berühren sich. Eine 92 Jahre alte Ordensfrau trifft auf die Dönerbude. Das ist besonders spannend, weil es echt und nicht gestellt ist.
Social Media braucht ungestellte, authentische Aufnahmen. Sie sitzt da im Habit und isst ihren ersten Döner. Das wollen die Menschen sehen, denn das sind tolle Bilder.
Aber auch alles, was ein bisschen zugespitzt ist, mit Augenzwinkern oder satirisch dargestellt wird, zieht. Die Menschen brauchen keinen Streit, keinen Hass, keine Debatte.
DOMRADIO.DE: Bewirkt die Funktionsweise der Sozialen Medien, dass Religion weniger ernst genommen wird?
Bruder Lukas: Ich glaube, dass dieses Video genau die Spielregeln von den Social-Media-Kanälen bedient. Aber trotzdem ist es kein Indiz, dass Religion nicht ernst genommen wird. Im Gegenteil, das Video zeigt, dass Gott im Alltag dieser fünf freien Frauen eine Rolle spielt.
DOMRADIO.DE: Glauben Sie, dass Menschen in diesen Videos nach Einfachheit und Menschlichkeit oder Spiritualität und Glauben suchen?
Bruder Lukas: So viele Menschen sehnen sich danach und wagen es doch nicht, danach zu suchen. Vor allem nicht dort, wo es am naheliegendsten ist, nämlich in unseren Kirchen. Aber die Sehnsucht ist da.
DOMRADIO.DE: Welche Chance hat die Kirche denn, wenn sie durch solche Momente plötzlich wieder stärker ins Gespräch kommt?
Bruder Lukas: Das ist die Chance schlechthin. Wir müssen diesen Spagat in Social Media wagen, zwischen Unterhaltung, Spaß, Albernheit, Challenges und Verkündigung. Unsere Verkündigungsvideos werden nur gesehen, wenn wir auch Albernheit und Spaß beherrschen.
Sonst bleiben wir in der eigenen Bubble und verdampfen dort, ohne wahrgenommen zu werden. Nur durch solche lustigen und alltäglichen Videos haben wir die Chance, in dieser riesigen Bilderflut der Medien gesehen zu werden.
Das Interview führte Dagmar Peters.