Umstritten: das EKD-Familienpapier
Umstritten: das EKD-Familienpapier

15.07.2013

Rücktritt von EKD-Chef Schneider wegen Familienpapier gefordert Die Orientierung verloren?

Die innerevangelische Kritik an dem umstrittenen Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland nimmt an Schärfe zu. Konservative Protestanten fordern nun gar einen Rücktritt des EKD-Ratsvorsitzenden.

Laut dem Gründer der konservativen Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Peter Beyerhaus, muss Nikolaus Schneider sich entweder von dem Text zu distanzieren oder von seinem Amt zurückzutreten. Schneider hatte das Dokument wiederholt gegen Kritik verteidigt. Die Konferenz Bekennender Gemeinschaften wurde vor rund 45 Jahren als Gegenbewegung zu liberalen Tendenzen in der EKD gegründet.

In dem Papier plädiert die EKD für einen "erweiterten Familienbegriff", in dem die Ehe nicht mehr notwendigerweise Voraussetzung für Elternschaft ist. Dies müsse auch "in der Kirche wahrgenommen und in das kirchliche Handeln einbezogen werden". So solle die Kirche auch homosexuellen Paaren den Segen "nicht verweigern". Kritik an dem Dokument kam von der katholischen Kirche und vom Koordinationsrat der Muslime in Deutschland, aber auch aus protestantischen Kreisen.

In einem Offenen Brief kritisiert Beyerhaus, das EKD-Papier stelle "eine Revolution in der gesamten bisherigen Tradition evangelischer Ehe- und Familienethik"» dar. Sie stehe im Gegensatz zu fast allen bisherigen Stellungnahmen. Die sogenannte Orientierungshilfe sei "in Wirklichkeit eine 'Desorientierungshilfe'" und bilde "«eine aktuelle sittliche Gefahr". Vor Ort sei mitzuerleben, welch "moralischer Flurschaden" dadurch angerichtet werde, so der Theologe.

Regionalbischöfin verteidigt Familienpapier

Unterdessen verteidigte die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler das Papier. Als Mitautorin des Textes "Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken" könne sie die hochgradig emotionale Empörung "nur als Verlustangst" interpretieren, sagte Breit-Keßler am Sonntagabend bei den "«Urban Prayers" in den Münchner Kammerspielen.

In dem Papier werde "Gerechtigkeit angemahnt", sagte die evangelische Theologin, "Gerechtigkeit im Blick auf unterschiedliche Lebensformen". Den Autoren sei "jede Form des Zusammenlebens kostbar", wenn sie von Liebe und Verantwortung, von Fürsorge füreinander, von Treue und Verlässlichkeit getragen sei. "Wir übertragen mutig das Leitbild der Ehe, an dem wir festhalten, auf andere Gestalten von menschlichem Zusammenleben", sagte sie: "Ehe und Familie lebt in vielen Formen."

Das 160 Seiten zählende Dokument der EKD trägt den Titel "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken". Erarbeitet wurde es von einer aus 14 Fachleuten bestehenden Kommission unter Leitung der ehemaligen Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) sowie der Soziologin Ute Gerhard.

(KNA, epd, dr)

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