Stefan Vesper (ZdK)
Stefan Vesper (ZdK)

21.11.2014

ZdK gegen organisierte Sterbehilfe "Menschen nicht drängen"

Bei der Herbstvollversammlung des Zentralkomitees Deutscher Katholiken (ZdK) wird auch das Thema Sterbehilfe diskutiert. Generalsekretär Stefan Vesper erklärt domradio.de die Position der Gläubigen-Vertretung.

domradio.de: Es gibt ja verschiedene Varianten, die im Bundestag diskutiert werden: Verbot von Sterbehilfevereinen, die Erlaubnis für Ärzte, beim Suizid zu assistieren oder alles so zu lassen wie es ist. Gibt es für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken einen Konsens?

ZdK-Generalsekretär Vesper: Wir sprechen uns für zwei Dinge aus: Wir sagen Ja zur palliativen Begleitung sterbender und schwerstkranker Menschen. Und wir sagen Nein zur organisierten Suizidbeihilfe. Wir freuen uns, dass heute Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zu uns kommt, mit dem wir diskutieren werden.

Unsere Position ist, dass wir uns gegen jede Form der organisierten Beihilfe zum Suizid aussprechen. Wir fordern und erwarten, dass durch die Gesetzgeber die palliativmedizinische und palliativpflegerische Maßnahmen und die Finanzierung ausgebaut werden, so dass der Schutz für die Schwachen in der Gesellschaft - und das sind die Sterbenden und Schwerstkranken – besser gewährleistet werden kann.

domradio.de: Das ZdK vertritt ja die einfachen Gläubigen in der katholischen Kirche. Glauben Sie, dass nicht lieber jeder selber über die privateste Sache am Ende seines Lebens entscheiden möchte?

Vesper: Natürlich ist das Sterben privat. Und Sie haben damit die Debatte im Bundestag zitiert, die sicherlich eine Sternstunde des parlamentarischen Miteinanders und des Austausches war. Ich konnte selber längere Zeit die Debatte verfolgen. Aber trotzdem muss sich der Gesetzgeber an Maßstäben orientieren. Und der Gesetzgeber muss in einem solchen Dickicht und Wust von zu klärenden Problemen eine Orientierung finden.

Wir sagen: Es wäre für das gesellschaftliche Klima, aber auch für den einzelnen Betroffen unerträglich, wenn ältere und lebensbedrohlich erkrankte Menschen sich von außen zu einem Verhalten gedrängt fühlen, dass ihren eigentlichen Überzeugungen und Wünschen zuwider läuft. Wir sind sicher, dass eine gesellschaftliche Erwartungshaltung sich aufbaut, wenn man Möglichkeiten der organisierten oder geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe zulässt. Das darf nicht sein.

domradio.de: Der Katholikentag 2018: Auch darüber wird heute in der Herbstvollversammlung entschieden. Warum soll es Münster werden?

Vesper: Wir wollen schon lange nach Münster gehen. Das ist eine wunderbare Stadt hier in Nordrhein-Westfalen. Wir haben eine Einladung von Bischof Felix Genn auf dem Tisch liegen. Wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt, dem Bistum und dem Land. Ich gehe von einer riesigen Zustimmung heute aus.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu Eigen.

(dr)

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