29.01.2014

Kardinal Meisner reagiert auf Kritik an Aussage zu kinderreichen Familien "Muslimische Familien in manchem ein Beispiel"

Auf die Kritik an seiner Äußerung zu katholischen und muslimischen Familien hat Joachim Kardinal Meisner nun reagiert. Er habe seine Wertschätzung für kinderreiche Familien zum Ausdruck bringen wollen - mit "vielleicht unglücklicher Wortwahl". 

Eine Äußerung des Kölner Kardinals Joachim Meisner über christliche und muslimische Familien war am Mittwoch auf scharfe Kritik von Islamverbänden gestoßen. Zu den Vorwürfen von Muslimverbänden sagte Meisner nun gegenüber domradio.de: "Bedauerlicherweise hat meine Äußerung über muslimische Familien für Irritationen gesorgt. Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten – meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich. Meine Äußerung war als Wertschätzung für Familien gemeint, in denen der Glaube lebt und fruchtbar wird. Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben. Es ging mir darum, meine Wertschätzung für die Familien des Neokatechumenalen Wegs und ihr beispielhaftes apostolisches Wirken hervorzuheben. Dort erlebe ich eine außergewöhnliche Glaubenskraft, die für die Weitergabe des Glaubens vorbildlich ist. Denn die Familie ist als Kirche im Kleinen für die Weitergabe des christlichen Glaubens unersetzlich."

Meisner hatte sich am Freitag vor Mitgliedern der geistlichen Bewegung "Neokatechumenaler Weg" geäußert. Der Kölner Erzbischof dankte in seiner Rede ausdrücklich für das Glaubenszeugnis der geistlichen Gemeinschaft. Dabei hob er auch die Bereitschaft der Gemeinschaft zur Gründung großer Familien hervor.

Er betonte, es gehe eine große Glaubenskraft von katholischen Eheleuten aus, die zehn Kinder in die Welt setzten. In diesem Zusammenhang sagte Kardinal Meisner: "Ich sage immer, eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien." Dieser Satz steht nun in der Kritik.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung in Köln stand der Gastvortrag des spanischen Künstlers Kiko Argüello. Er hatte 1964 die geistliche Bewegung "Neukatechumenaler Weg" gegründet. 800 Besuchern waren ins Kölner Maternushaus gekommen, um den charismatischen Argüello zu erleben.

Der Kardinal sagte in seiner Ansprache weiter, er sei dem "Neokatechumenalen Weg" bereits 1980 als Erzbischof von Berlin begegnet. Auch in Köln, wo er seit Februar 1989 Erzbischof ist, habe er ähnlich beeindruckende Erfahrungen gemacht.

Zentralrat der Muslime: Religionen sollten einander stützen und schätzen

Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) sagte zu Meisners Äußerung dem "Kölner Stadt-Anzeiger", wenn ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position einen solchen Satz formulieren würde, ginge "ein Empörungsschrei durch die Gesellschaft". Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warf Meisner vor, er bediene Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, "die wir so von der katholischen Kirche und besonders vom neuen Papst nicht kennen". Statt einander abzuwerten, sollten die Religionen einander stützen und schätzen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), sprach gegenüber der Zeitung von der "persönlichen Meinung eines katholischen Würdenträgers", die sie nicht kommentiere, "auch wenn ich sie nicht verstehe".

Das 2008 vom Vatikan offiziell anerkannte Neokatechumenat (von griechisch "Katechumenen" - "Getaufte") zielt darauf ab, kleine geistliche Gemeinschaften zu bilden. Ein fester Stamm von Menschen soll den Glauben leben und weiter tragen.

Zu der Veranstaltung im Kölner Maternushaus waren rund 800 Menschen aus ganz Europa gekommen, darunter auch sieben Bischöfe. Neben Meisner nahmen auch der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes, der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sowie der Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, teil.

(KNA, epd, dr)

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