Sex ohne Ehering: Bislang eine schwere Sünde
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Bischof Gerhard Feige
Bischof Gerhard Feige
Bischof Ackermann
Bischof Ackermann

13.02.2014

Bischof Feige kritisiert Debatte um Ackermann-Äußerungen Die ungeschminkte Wirklichkeit

Der Magdeburger Bischof Feige hat die innerkirchliche Debatte um die Äußerungen von Bischof Ackermann zur Sexualmoral kritisiert. Er halte es für unangebracht, wenn Bischöfe sich über die Medien vorführten.

Feige zeigte sich solidarisch mit dem Trierer Bischof Stephan Ackermann und betonte, es sei "endlich an der Zeit, sich offen der ungeschminkten Wirklichkeit zu stellen und im Geiste Jesu Christi sensibel und fair um verantwortbare und lebensdienliche Lösungen zu ringen".

Mehrere Bischöfe hatten zuvor Ackermanns Äußerungen öffentlich verurteilt. Es helfe auch nicht, immer nur Verbote zu erneuern oder Bedenken vorzutragen, sagte Feige der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Magdeburg. Mit Blick auf die geübte Kritik sagte Feige: "Ich halte es für unangebracht, wenn Bischöfe sich über die Medien vorführen und gegeneinander aufbringen lassen."

Ackermann: Verantwortungsbewusstsein des einzelnen stärken

Bischof Ackermann hatte in einem Redaktionsgespräch mit der "Mainzer Allgemeinen" erklärt, er sehe Veränderungsbedarf für Moral und Sexualethik seiner Kirche. Es sei nicht mehr zeitgemäß, eine zweite Ehe als Todsünde anzusehen und Wiederverheirateten die Zulassung zu den Sakramenten dauerhaft zu verweigern. Es sei ebenfalls nicht haltbar, vorehelichen Sex generell als schwere Sünde zu bewerten, so der Bischof. Zugleich betonte Ackermann, es gehe nicht um grundsätzliche Änderungen der Lehre. Es gelte, das Verantwortungsbewusstsein des einzelnen zu stärken, um eine "Gewissensentscheidung dann aber auch zu respektieren".

Die Bischöfe Konrad Zdarsa (Augsburg), Heinz Josef Algermissen (Fulda) und Wolfgang Ipolt (Görlitz) sowie die Pressesprecher der Bistümer Eichstätt und Regensburg, offenbar im Namen ihrer Bischöfe, distanzierten sich über das Internetportal "kath.net" von den Aussagen des Trierer Bischofs.

Ackermanns Äußerungen stehen im Zusammenhang mit einer vom Vatikan in Auftrag gegebenen Umfrage zur Sexualethik. Deren Ergebnisse hatten die große Kluft zwischen offizieller Lehre und Lebenswirklichkeit der deutschen Katholiken offenbart.

"Wir können die katholische Lehre nicht völlig verändern, aber Kriterien erarbeiten, anhand derer wir sagen: In diesem und diesem konkreten Fall ist es verantwortbar", zitierte die "Mainzer Allgemeine" Bischof Ackermann. "Es geht nicht an, dass es nur das Ideal auf der einen und die Verurteilung auf der anderen Seite gibt."

Verantwortungsbewusst gelebte Homosexualität dürfe von der Kirche nicht als widernatürlich eingestuft werden, sagte der Bischof weiter. Eine Segnung homosexueller Paare wie in der evangelischen Kirche schloss Ackermann zugleich aus. Die katholische Kirche halte an der Einzigartigkeit der Ehe zwischen Mann und Frau fest.

Algermissen: Wahrheit ist keine Sache einer Anpassung

Bischof Zdarsa warf dem Trierer Bischof indirekt vor, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. Der Katechismus sei "Richtschnur dessen, was in der Weltkirche Geltung hat." Und Bischof Algermissen ergänzte: "Wahrheit ist keine Sache einer Anpassung." Auch der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick twitterte am Wochenende - ohne Ackermann zu nennen - die Kirche müsse mit Jesus gehen und nicht mit dem Zeitgeist. Zum anderen kritisierten Zdarsa und Algermissen, dass Ackermann mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit gegangen ist. Algermissen warnte vor "bischöflichen Einzelaktionen", die kontraproduktiv seien. Und Zdarsa erklärte: "Bislang hätte ich allerdings nie gedacht, dass ich einmal so fundiert zur Meinung eines bischöflichen Mitbruders Stellung nehmen muss."

Ebenso warnte der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt in der innerkirchlichen Debatte um die katholische Moral und Sexualethik vor einer Anpassung an den Zeitgeist gewarnt. "Es kann auch in Zukunft nicht darum gehen, sich Lebensgepflogenheiten anzupassen, die heute so und morgen anders sind", sagte er dem Internetportal "Kath.net". Bei Scheidung und Wiederverheiratung gehe es um einen objektiven Widerspruch zum göttlichen Gebot.

Am Donnerstag äußerte sich auch der deutsche Kardinal Walter Brandmüller gegenüber "Kath.net". "Die Morallehre der Kirche kann nur geändert werden, wenn sich die Natur des Menschen ändert", sagte der emeritierte Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften dem österreichischen Internetportal. Allerdings hätten "weder die Natur des Menschen noch haben die Gebote Gottes und das Evangelium ein Verfallsdatum".

Jeder, der im Namen der Kirche spreche, müsse den Mut aufbringen, "entgegen dem allgemeinen Trend die Wahrheit zu verkünden", sagte der Kardinal. "Ein Goethezitat muss heute Bischöfen, Priestern, Religionslehrern ins Stammbuch geschrieben werden: 'Wer zu schwankender Zeit schwankend gesinnt ist, mehret das Übel'."

(KNA, dr)

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