11.01.2013

Das neue Gesetz zur Sterbehilfe bleibt umstritten Keine Geschäfte mit dem Tod

Das geplante Gesetz zur Sterbehilfe sollte nach Ansicht von Nikolaus Schneider strenger gefasst werden. Auch Vereine müssten verboten werden. Im domradio.de-Interview fordert der EKD-Ratsvorsitzende stattdessen "überzeugende Alternativen".

domradio.de: Sie fordern ein strengeres Verbot - wie genau sollte das aussehen?

Schneider: Wir halten eine anonymisierte Form der Begleitung für gefährlich. Eine Begleitung, die eine Organisation voraussetzt und das Sterben aus dem engen und verbindlichen Verbund von Familie und Freundschaft herausnimmt. Das ist nicht angemessen, denn es handelt sich um einen insgesamt problematischen Bereich: Wenn ein Mensch auf diese Weise sein Leben beendet, können wir dem nicht zustimmen - unsere Seelsorge können wir  dennoch nicht verweigern. Deshalb muss auch genau in diesem Bereich der Seelsorge eine Begleitung angesiedelt sein. Alles darüber hinaus lehnen wir ab. Auch, weil es eine gefährliche Tendenz enthalten könnte: nämlich dass die Grenzen zwischen gewerbsmäßig und organisiert fließend werden.

domradio.de: Sie machen einen Unterschied in der Frage, ob Pfleger oder Ärzte beim Sterben nachhelfen - was müsste in einem Gesetz zur Sterbehilfe geregelt werden? Und was nicht?

Schneider: Es müsste geregelt werden, dass es kein Geschäftsmodell sein darf, Menschen zum Sterben zu bringen und den Tod herbeizuführen, ehe er im natürlichen Ablauf geschieht. Das ist in dem Gesetz geregelt, und das ist auch sehr gut so. Anders als die vereinsmäßige Begleitung, die nicht auf Gewinnerwerb ausgerichtet ist, aber ja auch kostendeckend sein muss. Das passt nicht zu Seelsorge, Liebe und Nähe. Auch das muss im Gesetz ausgeschlossen sein.

domradio.de: Über ein Gesetz gedacht: Was muss die Politik tun, damit Sterbehilfevereine nicht immer offensiver agieren?

Schneider: Wesentlich ist, dass es eine überzeugende Alternative in der Sterbebegleitung gibt. Menschen müssen wirklich erwarten können, nicht unter Schmerzen sterben zu dürfen. Davor haben viele Menschen Angst. Ich verstehe diese Sorge sehr gut, ich habe selber erlebt, wenn ein Mensch wirklich nur noch aus Schmerz besteht. Diese Aussicht muss her. Die andere ist: Menschen dürfen am Ende nicht alleine sein, sondern liebevoll begleitet. Mit dem Trost des Wortes Gottes. Wenn wir dieses Netz stärken und ausbauen, werden Alternativen nicht so sehr gesucht, wie das im Augenblick der Fall ist. Und dann gibt es Menschen, die so sehr auf ihre Autonomie bestehen, dass sie sagen: Wenn ich mein Leben nicht mehr selber in der Hand halten kann oder die Aussicht auf diese Situation gegeben ist - Stichwort Demenz -, dann bringe ich mich vorher selber um. Zu dieser Lebenseinstellung haben wir aus dem Glauben heraus keine Brücke, sondern können nur darum werden, dass Menschen umkehren und ein anderes Verhältnis zu sich selber und zu Gott gewinnen: ein Gottvertrauen, das sich auch gleichzeitig auf ihre Lebenshaltung und ihren Umgang auswirkt.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter.

(dr)

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