Beim Sterben helfen
Das Thema Sterben gehört auch zur "Woche für das Leben"

03.05.2014

Bundesweite "Woche für das Leben" in Erfurt eröffnet "Herr, Dir in die Hände"

Die beiden großen Kirchen haben die diesjährige "Woche für das Leben" mit einem Gottesdienst im Erfurter Dom eröffnet. Mit dem Motto "Herr, Dir in die Hände" wird der Blick auf die Grenzen der Technik gelenkt.

Mit einem ökumenischen Gottesdienst im Erfurter Mariendom haben die beiden großen Kirchen in Deutschland die bundesweite "Woche für das Leben" eröffnet. Die seit 1991 stattfindende Aktion steht in diesem Jahr unter dem Leitwort "Herr, Dir in die Hände". Das Motto soll auf die Grenzen der technischen und medizinischen Entwicklungen hinweisen.

Keine Hilfe zur Selbsttötung

Vor dem Hintergrund der aktuellen Sterbehilfe-Debatte betonte der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Norbert Trelle, "es wäre ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, wenn der Wunsch, seinem Leben selbstbestimmt ein Ende zu setzen, nur deshalb entsteht, weil jemand sich alleingelassen fühlt". Es sei der Auftrag eines jeden Christen, Menschen im Sterben zu begleiten, ihnen Hoffnung und Halt zu geben. "Wir dürfen uns nicht durch eine Hilfe zur Selbsttötung von ihnen abwenden, sondern müssen uns ihnen zuwenden", so der Hildesheimer Bischof. 

"Das Sterben nicht künstlich verzögern"

Der Vizevorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Jochen Bohl, hob die Bedeutung der palliativen Versorgung schwerkranker Menschen hervor. Es gehöre zur Würde eines Menschen, dass "der natürliche Prozess des Sterbens nicht künstlich verzögert" werde. "Vielmehr kommt es darauf an, das Leid, das damit verbunden sein kann, so weit zu lindern, wie es der medizinischen Wissenschaft möglich ist", sagte der Dresdner Landesbischof und lobte zugleich das große Engagement der Hospizdienste. Die Humanität einer Gesellschaft zeige sich nicht zuletzt im Umgang mit den Sterbenden, so der Bischof.

Hoffnung auf Diskussion im Bundestag

Die beiden großen Kirchen haben die Pläne der Regierungskoalition zum gesetzlichen Verbot jeglicher organisierter Form von Beihilfe zur Selbsttötung begrüßt. "Wir erhoffen uns dazu eine tiefgreifende Diskussion im Parlament, ähnlich wie seinerzeit bei der Stammzell-Debatte", sagte Bischof Norbert Trelle. Er hoffe, dass dadurch zudem der gesellschaftliche Diskurs zu dem Thema noch einmal angestoßen werde. 

Gut begleitet und umsorgt sterben

Landesbischof Jochen Bohl, erklärte, die Tatsache, dass sich in Umfragen in der Regel immer eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger für aktive Sterbehilfe ausspräche, resultiere oftmals aus der Fragestellung: "Natürlich antworten die meisten mit Nein, wenn sie gefragt werden, ob sie am Ende ihres Lebens leiden wollen."
Gleichzeitig wolle eine ebenso große Mehrheit am Ende des Lebens gut begleitet und von Angehörigen umsorgt sein. 

Strafrechtliche Konsequenzen

Beide Bischöfe sprachen sich dafür aus, dass ein Verbot der organisierten Form von Suizid-Beihilfe auch strafrechtliche Konsequenzen habe müsse. "Bei einem Verbot ist die Logik, dass ein Verstoß dagegen auch strafbewehrt sein soll", sagte Bohl. Zugleich rief er mit Blick auf die Grauzonen zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe zu "juristischer Demut" auf: "Man sitzt einem Irrtum auf, wenn man glaubt, jeden Sterbeprozess rechtlich regeln zu können." Bischof Trelle unterstrich: "Man muss einem Menschen auch die Freiheit schenken, dass er sterben darf - das Sterben soll nicht verlängert werden." Hier sei eine gute Palliativmedizin besonders wichtig. 

Resonanz auf die "Woche für das Leben"

Bohl betonte, dass die "Woche für das Leben" der Kirchen mit dazu beigetragen habe, dass es inzwischen im Bundestag wie auch in der deutschen Ärzteschaft ein Mehrheit gebe, die sich gegen die Beihilfe zur Selbsttötung ausspräche. Gleichzeitig räumte Trelle ein, dass die Resonanz auf die Aktionswoche zum Lebensschutz in den Pfarrgemeinden in den vergangenen Jahren zurückgegangen sei.

(KNA)

Ökumene

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