Hospiz: Begleitung statt Sterbehilfe
Hospiz: Begleitung statt Sterbehilfe

11.10.2014

Warnungen vor aktiver Sterbehilfe Keine "Helden der Selbsttötung"

Zum Welthospiztag haben Sterbehilfe-Gegner und Kirchenvertreter erneut vor einer Legalisierung aktiver Sterbehilfe gewarnt. Mitten in diese Debatte fällt der Tod des ehemaligen MDR-Intendanten Udo Reiter.

Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering wandte sich in der ZDF-Sendung "aspekte" am Freitagabend entschieden gegen eine Argumentation für das Recht auf Selbsttötung, wie sie etwa der frühere MDR-Intendant Udo Reiter vertrat, der am Freitag nach Einschätzung der Polizei Suizid beging. Müntefering äußerte zugleich sein tiefes Bedauern über den Tod des Journalisten.

"Wenn jemand wie Reiter oder andere sagen, ein Leben ist für mich nicht lebenswert, wenn ich gewindelt werden muss oder wenn ich dement bin, dann ist das eine Aussage über andere Menschen." Durch eine solche Aussage erhebe man sich über andere, sagte Müntefering. "Ich muss schon überlegen wie wirkt mein Verhalten auf andere Menschen, was bedeutet das eigentlich innerhalb der Gesellschaft, wie müssen sich eigentlich andere fühlen, zum Beispiel Krankenpflegerinnen, die pflegen den ganzen Tag solche Menschen, die er da Trottel nennt. Das finde ich, ist mehr als ein Kulturbruch."

Ausbau für die Versorgung Schwerkranker gefordert

Es könne nicht sein, dass "immer die neuen Helden der Selbsttötung gefeiert werden", sagte Müntefering mit Blick auf zu erwartende Reaktionen auf den Suizid des MDR-Mitbegründers. Reiter wurde am Freitag erschossen auf der Terrasse seines Hauses bei Leipzig gefunden. Der 70-Jährige saß seit einem Autounfall im Jahr 1966 im Rollstuhl. Er hatte immer wieder für ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben plädiert.

Von Seiten der evangelischen Kirche und der Hospizbewegung wurde ein Ausbau der Versorgung für Schwerstkranke und Sterbende gefordert. Für Christen könne Sterbehilfe nur eine Begleitung beim Sterben heißen, sagte der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Martin Heimbucher, am Samstag. Jeder Mensch habe einen Anspruch auf bestmögliche medizinische, auch palliative Versorgung, um die Qualität des Lebens zu bewahren. Das Hospizwesen müsse daher ausgebaut werden.

Kein Druck für die letzte Phase des Lebens

 Eine Legalisierung aktiver Sterbehilfe lehnte Heimbucher kategorisch ab. "Wir können nicht dulden, wenn mit einer solchen Legalisierung der wirtschaftliche Druck sich auch noch über die letzte Phase unseres Lebens ausweitet", warnte der Theologe am Samstag vor der in Emden tagenden Diakonischen Konferenz der reformierten Kirche. Menschen am Ende ihres Weges müssten ganz und gar von jedem ökonomischen Druck frei gehalten werden.

Studien zufolge werden fast zwei Drittel der Krankenhauskosten für einen Menschen in seinem letzten halben Lebensjahr verbraucht. Wenn Pflegebedürftige und Sterbende meinten, sie dürften der Gesellschaft, ihren Angehörigen, Pflegern und Ärzten nicht mehr länger zur Last fallen, weil ihr bloßes Dasein anscheinend mehr Kosten als Nutzen bedeute, dann sei das "ein dramatisches Warnsignal", sagte Heimbucher.

Mehr Investitionen nötig

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) bekräftigte ebenfalls ihre ablehnende Haltung gegenüber aktiver Sterbehilfe. Sie kündigte an, die Hospiz- und Palliativversorgung weiter ausbauen zu wollen. "Alten und schwerstkranken Menschen darf nicht das Gefühl vermittelt werden, dass sie der Gesellschaft zur Last fallen", erklärte sie zum Welthospiztag am Samstag in München.

Der Hospizexperte Ulrich Domdey forderte mehr Investitionen in die Pflege, um alle Menschen zum Lebensende angemessen zu betreuen. Die Meisten stürben in Altenheimen und Krankenhäusern, sagte der Vorsitzende der Hospiz Landesarbeitsgemeinschaft Niedersachsen dem epd. Doch zu oft fehlten dort die Voraussetzungen, um Menschen wie in Hospizen oder den eigenen vier Wänden mit Würde in der letzten Lebensphase zu begleiten.

Ausführliche Beschäftigung im Bundestag

Der Bundestag wird sich am 13. November erstmals in dieser Legislaturperiode ausführlich mit dem Thema Sterbehilfe beschäftigen. Derzeit zeichnen sich im Parlament drei Initiativen dazu ab: Eine Gruppe befürwortet eine möglichst umfassendes Sterbehilfe-Verbot, eine andere will ärztliche Hilfe beim Suizid zulassen. Eine dritte Gruppe wirbt für einen "Weg der Mitte", wonach organisierte Hilfe beim Suizid unter Strafe gestellt, aber keine Regelung für Ärzte getroffen werden soll.

 

(epd)

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