Karl Gabriel
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Der Exzellenzcluster "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne" besteht seit 2007 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 20 geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Religion und Politik.

ZdK-Präsident Glück
ZdK-Präsident Glück

25.04.2013

Forscher über die Laien in der Kirche "Ohne Macht, aber nicht ohne Einfluss"

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken lädt zur Frühjahrstagung. Welche Rolle spielt der Laien- Spitzenverband und welche Macht hat er? Der Theologe und Sozialwissenschaftler Karl Gabriel im Interview.
 

dpa: Woher kommt die Sonderrolle, die die Laien in Deutschland einnehmen? Vergleichbares wie das ZdK gibt es weltweit nicht.

Gabriel: Entstanden ist diese Rolle aus der Blüte der deutschen Vereine im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Daraus resultierte das berühmte katholische Vereinswesen. Die Katholiken haben so gelernt, Demokratie zu leben. Eine Folge war die Zentrums-Partei, die sich lange vor der offiziellen Kirche zur Demokratie bekannt hat. Das ZdK ist das Spitzengremium aller Laienvertreter. Die Zentrale Aufgabe ist es, das Evangelium in die Gesellschaft zu tragen.

dpa: Wie hat sich die Rolle der Laien mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil geändert?

Gabriel: Vor dem Konzil wurden die Laien lediglich als "Nicht- Amtsträger" bezeichnet. Sie wurden also nur negativ umschrieben. Laien waren reine Objekte in der Hierarchie. Im Kirchenrecht gab es für sie keine Definition, nur den Eintrag "Siehe Kleriker".

dpa: Und heute?

Gabriel: Bei reinen Machtfragen und im Konfliktfall sind die Laien zwar immer wieder gescheitert. Die Bischöfe haben sich zum Beispiel beim Ausstieg aus der Schwangerenkonfliktberatung gegen die Laien des ZdK durchgesetzt und sanktionieren bis heute die Gründer von Donum Vitae. Faktisch hat sich für die Laien aber dennoch viel getan. So gibt es ein Verbindungsgremium zwischen der Bischofskonferenz und dem Zdk: die Gemeinsame Konferenz. Und viele Stellen unterhalb der Machtebene sind mit Laien besetzt. 35 Prozent der führenden Mitarbeiter in den Ordinariaten der deutschen Diözesen sind inzwischen Laien. Die Abteilungsleitungen der 14 Kommissionen der Bischofskonferenz - unterhalb der Ebene des Generalsekretärs - sind alle mit Laien besetzt.

dpa: Ändert der Priestermangel etwas an der Rolle der Laien?

Gabriel: "Ja. Aber nicht zum Positiven. Die Rolle der Priester wird eher gestärkt, und die Laien werden damit zurückgedrängt."

Carsten Linnhoff
(dpa)

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