Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart
Abschlussgottesdienst des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart
Gutes Wetter auf dem Kirchentag
Gutes Wetter auf dem Kirchentag

07.06.2015

Bilanz des Kirchentags in Stuttgart Hitze, Debatten, Stille

Am Sonntag kamen noch einmal rund 90.000 Menschen zum großen Abschlussgottesdienst. Der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart ist Geschichte. Was bleibt hängen vom Christentreffen?

Sonntag, 7. Juni 2015: In Stuttgart endet auf dem Cannstatter Wasen der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) mit einem Gottesdienst. Rund 300 Kilometer weiter südöstlich beginnt im bayerischen Schloss Elmau der G7-Gipfel der mächtigsten Wirtschaftsnationen. Was die mediale Präsenz der Großereignisse anging, verhielt es sich dabei wie mit den Gewitterwolken, die sich im hochsommerlich heißen Stuttgart hier und da vor die Sonne schoben. Der Kirchentag in der vom Bahnhofsbauprojekt "Stuttgart 21" zerfurchten Schwabenmetropole stand ein wenig im Schatten des Politikertreffens im Luxusressort zu Füßen der Alpen.

Kühle Köpfe trotz Hitze

Die rund 97.000 Dauerteilnehmer und 37.000 Tagesgäste behielten trotz rekordverdächtiger Temperaturen jenseits der 30 Grad einen kühlen Kopf. Die schweißtreibende Hitze sei an den Kirchentagsgängern «locker abgetropft», vermeldeten die Organisatoren. «damit wir klug werden», lautete das Motto des Treffens. Selbst wenn vielleicht manch einer aus der Fülle von 2.500 Veranstaltungen nicht so recht schlau wurde: Es gab sie, die Momente von Einsicht. Ebenso wie Einblicke in aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten.

Bundespräsident Joachim Gauck ermunterte zu mehr Zuversicht, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) diskutierte über den digitalen Wandel, ihr Vize Sigmar Gabriel (SPD) nahm Stellung zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) äußerte sich zum Kirchenasyl. Das Thema Homosexuelle und Kirche stand ebenso auf der Agenda wie der Dialog der Religionen. Es gab Friedensdemos und - als Reminiszenz an "Stuttgart 21" - Protestveranstaltungen unter dem Titel "Kann denn Bahnhof Sünde sein?".

Positive Bilanz

Auch wenn nie alle alles teilen können: Für die Veranstalter hat der Kirchentag die Erwartungen als Forum der Begegnung und des Austauschs mehr als erfüllt. Sie habe eine «neue Nachdenklichkeit festgestellt, sagte DEKT-Generalsekretärin Ellen Ueberschär. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigte sich "inspiriert" und "begeistert". Ähnlich äußerten sich die Ortsbischöfe, der württembergische Landesbischof Frank Otfried July und sein katholischer Amtsbruder, Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart. "Wo sonst findet man so couragiert und ernsthaft geführte Debatten über die wichtigen Fragen unserer Zeit?", fragte Fürst.

Kirchen- und Katholikentage - sie verstehen sich auch als Angebote zu Einkehr und Stille. Zehntausende pilgerten morgens zu Bibelarbeiten. Die Veranstaltungen, bei denen Prominente aus Kirche und Gesellschaft Texte des Alten und Neuen Testaments auslegen, gehören traditionell zum Programm. Gekommen waren unter anderen auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) oder die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann.

Auch Resonanz auf katholische Kirche

Auf überraschend große Resonanz stieß das Haus der katholische Kirche auf der Stuttgarter Haupteinkaufsmeile, der Königstraße. Vor allem der "Raum der Stille" zog inmitten von Hektik und Hitze viele Menschen an. Eine ähnliche Atmosphäre herrschte in und um die Berger Kirche. Dort hatte der ökumenische Verein "Andere Zeiten" seine Zelte aufgeschlagen. Selbst Promis wie Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) machten einen Abstecher dorthin.

Gänsehaut-Momente der anderen Art bescherte der gemeinsame Auftritt von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. In der bis auf den letzten Platz besetzten Hanns-Martin-Schleyer-Halle warb der Friedensnobelpreisträger mit leiser Stimme eindringlich darum, den Glauben in die große Politik nicht zu verlieren - und selbst aktiv zu werden, um für Gerechtigkeit auf der Welt zu kämpfen. Eigentlich keine schlechte Botschaft mit Blick auf den G7-Gipfel. Am Ende der Rede erhoben sich die Zuhörer von ihren Sitzen. Standing Ovations für Kofi Annan.

Joachim Heinz
(KNA)

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