Erzbischof Burger
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09.02.2016

Misereor-Bischof Burger zur Entwicklungshilfe-Fastenaktion "Kirche ist auf der Seite der Bedrängten"

Umweltzerstörung, Klimawandel, Menschenrechtsverletzungen - der Freiburger Erzbischof Stephan Burger fordert mehr Engagement für internationale Entwicklungszusammenarbeit. Einen Beitrag dazu will die Misereor-Fastenaktion leisten.

KNA: Herr Erzbischof, Sie haben jetzt in Brasilien Projekte der Misereor-Fastenaktion 2016 besucht. Wofür stehen Kirche und kirchliche Entwicklungshilfe dort?

Erzbischof Burger: Die Kirche will den Menschen im Amazonasgebiet in ihrer Bedrängnis helfen, ihre Rechte wahrnehmen zu können. Um Staudamm-Großprojekte zu realisieren, versuchen die brasilianische Regierung und internationale Großkonzerne, zahllose Fischer und Bauern zu enteignen und umzusiedeln. Da will die Kirche auf der Seite der Bedrängten sein, die um Grund und Boden und damit um ihre Existenzgrundlage fürchten. Misereor organisiert gemeinsam mit brasilianischen Partnern Rechtsbeistände und berät sie. Die Menschen sollen das Gefühl haben, sie sind in dieser existenziellen Notlage nicht alleingelassen.

KNA: Was kann die Fastenaktion, bei der Misereor in den Wochen vor Ostern um Spenden wirbt, hier in Deutschland erreichen?

Burger: Die Fastenaktion will ins Bewusstsein heben, welche Probleme zum Beispiel in Brasilien, aber auch in vielen anderen Regionen bestehen, wenn die politisch Verantwortlichen die Menschenrechte nicht achten. Es geht um die Herstellung von Öffentlichkeit. Und natürlich um finanzielle Unterstützung, ohne die Hilfsprojekte nicht möglich sind.

KNA: Wäre mehr Engagement von Christen für Entwicklungszusammenarbeit nötig?

Burger: Das würde ich sehr begrüßen. Und ich möchte das auch in meinem Hirtenbrief zur Fastenzeit aufgreifen. Wir dürfen die globale Entwicklung nicht aus dem Blick verlieren. Viele unserer Probleme - seien es Klima- oder Flüchtlingsfragen - hängen mit einer weltweiten Entwicklung zusammen. Hier das Bewusstsein zu schärfen, ist mir ein Anliegen.

KNA: Passt das zum "Aktionsjahr der Barmherzigkeit", das Papst Franziskus für 2016 ausgerufen hat?

Burger: Ja, denn Barmherzigkeit meint, die Benachteiligten nicht aus den Augen zu verlieren. Auch die Initiative des Papstes fordert, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Wir müssen immer prüfen, welche Folgen unser Verhalten für die Armen der Welt hat.

KNA: Was bedeutet Ihnen die Fastenzeit persönlich?

Burger: Mir ist es wichtig, in dieser besonderen Zeit meinen Alltag auf manche eingeschlichene Gewohnheit zu durchforsten und diese dann zu durchbrechen. Dazu gehört auch, auf das eine oder andere bewusst zu verzichten, etwa auf ein gutes Glas Wein.

Das Interview führte Volker Hasenauer.

(KNA)

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