Vertreter von Missbrauchsopfern warnen vor einseitiger Debatte

"Vergesst die Opfer nicht!"

Mit dem Aufruf "Vergesst die Opfer nicht!" haben Missbrauchsbetroffene an die Politik appelliert, in der gegenwärtigen Debatte über Kinderpornografie-Vorwürfe gegen einen ehemaligen Bundestagsabgeordneten die eigentlichen Opfer nicht aus dem Blick zu verlieren.

Sebastian Edathy (dpa)
Sebastian Edathy / ( dpa )

Angesichts der Ermittlungen wegen des Besitzes von Kinderpornografie gegen den Ex-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy (SPD) warnen Vertreter von Missbrauchsopfern vor einer einseitigen Debatte. Die Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch" rief am Sonntag in Berlin Politik und Medien auf, in der Diskussion über den Fall die Perspektive der Opfer nicht aus dem Blick zu verlieren.

In der aktuellen Diskussion spielten die vielen Hundert Kinder, die für die Erstellung des kinderpornografischen "Materials" in ihrer Menschenwürde verletzt oder sexuell missbraucht wurden, leider keine Rolle, kritisierte Jacqueline Ehmke vom Lenkungsausschuss des vom Bundesfamilienministerium getragenen "Fonds Sexueller Missbrauch". "Weil es Erwachsene gibt, die Kinder in sexualisierten Posen und während sexueller Misshandlungen sehen wollen, werden Kinder fotografiert oder gefilmt." Auch nicht-indiziertes Bildmaterial werde mit hoher krimineller Energie produziert, weil Erwachsene nackte Kinder in vermeintlich "natürlichen" Situationen betrachten wollten, erklärte Ehmke weiter. "Auch dabei werden Kinder in ihrer Menschenwürde massiv verletzt."

Edathy: "Eindeutig legal"

Edathy hatte am 6. Februar sein Bundestagsmandat niedergelegt. Dem 44-Jährigen wird zur Last gelegt, Bilder von unbekleideten Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren besessen zu haben. Die Staatsanwaltschaft Hannover sprach von einem "Grenzbereich zu dem, was Justiz unter Kinderpornografie versteht". In einem Interview des "Spiegel" (Montag) räumte Edathy ein, bei einer kanadischen Firma "Material" bezogen zu haben, das er jedoch für "eindeutig legal" gehalten habe. Die Auffassung, wonach in seinem Verhalten keine Straftat vorliege, hätten inzwischen "mehrere Behörden schriftlich bestätigt".

Der "Eckige Tisch" wies auf Berichte hin, wonach die Bilddateien vor allem Kinder aus Rumänien und der Ukraine zeigten. "Wir fordern die deutsche Außenpolitik auf, den Behörden der betroffenen Länder Hilfe bei der Unterstützung der Opfer anzubieten und Hilfe und Unterstützung für die Opfer zum Thema im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit zu machen", so die Betroffeneninitiative.

Das Recht am eigenen Bild

Auch in Ländern Südostasiens und Lateinamerikas werde Kinderpornografie für den deutschen Markt produziert, erklärten Adrian Koerfer von der Betroffenengruppe "Glasbrechen" und Winfried Ponsens vom Verein "Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen": "Wir fordern die Bundesregierung auf, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit auch dort Hilfe für die Opfer anzubieten." Schließlich dringen die Gruppen auf eine Debatte darüber, wie in Deutschland für die Opfer solcher Darstellungen das Recht am eigenen Bild gestärkt und strafrechtlich bewehrt werden könne.


Quelle:
epd , KNA