Das zerstörte Köln nach dem Zweiten Weltkrieg
Das zerstörte Köln nach dem Zweiten Weltkrieg
Josef Kardinal Frings
Josef Kardinal Frings

07.05.2015

Die deutschen Bischöfe und das Kriegsende "Die Trümmer, sie rufen uns zu: Baut uns auf!"

Das Kriegsende am 8. Mai 1945 vor 70 Jahren gilt als Deutschlands "Stunde Null". Einer, der schon bald die Ärmel hochkrempelte und der Bürde einer deutschen Kollektivschuld entgegentrat, war der Kölner Erzbischof Frings.

Der Krieg war "total" gewesen. Und so waren es nun auch die Niederlage und die moralische Schuld in Deutschland. Wer sollte, wer konnte nun sprechen in der Stunde der größten Scham und Erniedrigung, im Wissen um die Not und die Hilflosigkeit, die unzählige Deutsche nun erwartete? Viele katholische Bischöfe und Priester stellten sich in die neue vorderste Front, um in Deutschlands "Stunde Null" Worte der Hoffnung zu finden und den Blick nach vorn zu richten.

Einige der katholischen Bischöfe waren in den Kriegsjahren geistliche Leuchttürme gewesen: Clemens August Graf von Galen, der "Löwe von Münster"; Konrad Graf von Preysing in Berlin, Kardinal Michael Faulhaber in München, und auch der erst 1942 geweihte Kölner Erzbischof Josef Frings. Schon vor der absehbaren deutschen Niederlage tauschten sie untereinander Gedanken über die Zukunft aus.

So schrieb Galen im Januar 1945 an Frings: "Sollten wir nach Möglichkeit einst das jetzt Zerstörte wiederherstellen? Oder war vieles vor Gottes Augen vielleicht doch überaltert, für den Abbruch reif?" Zumindest, so meinte er einschränkend, "in den historisch gewordenen und von uns bisher sorgsam gehüteten Formen".

Hirtenbriefe in den Wochen nach Kriegsende

Bereits eine Woche nach Kriegsende, am 15. Mai 1945, kamen die Bischöfe der Rhein-Mosel-Region - aus Köln, Trier, Limburg, Aachen, Speyer und Mainz - in Koblenz zusammen. Themen dort waren, wie der Kölner Kirchenhistoriker und Domkapitular Norbert Trippen schildert, etwa die Gerüchte über eine Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen, die politische Betätigung von Klerikern - aber auch die Grundzüge des Wiederaufbaus in der Seelsorge.

In den Wochen vor und nach Kriegsende herrschten vielerorts chaotische Verhältnisse: freigelassene Fremdarbeiter und Besatzungssoldaten übten Rache, jede Polizeigewalt gegen Kriminelle war zusammengebrochen; Raubzüge und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.

In dieser Lage verfassten viele deutsche Bischöfe Hirtenbriefe an ihre Katholiken, in je eigenem Stil und mit je eigenem Tenor. In Köln datiert das Schreiben von Frings vom 27. Mai, flankiert von einem Brief an den Klerus vom 14. Juni. In seinen Ausführungen liest man freilich noch keineswegs den "progressiven" Frings des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) heraus, der - beraten von einem jungen Fundamentaltheologen namens Joseph Ratzinger - die deutschsprachigen Konzilsväter zu Zugpferden der Kirchenreform machte. Es ist ein konservativer, ja ein restaurativer Frings.

Der Kölner Kardinal Frings zeigt sich konservativ

Der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz schärft seinem Klerus eine Rückkehr zur Konfessionsschule wie vor 1933 ein, zudem eine "Sammlung, Belehrung und Schulung der Gemeindemitglieder" nach ihren Lebensumständen: "Männer, Frauen, Jungmänner, Jungfrauen." Was die Predigt und die seelsorgliche Arbeit angeht, so verweist er strikt auf das päpstliche Lehramt, vor allem auf die drei Enzykliken Pius XI. "Über die christliche Erziehung der Jugend", die Sozialenzyklika "Quadragesimo anno" und "Über den atheistischen Kommunismus".

Für allfällige moralische Fragen empfiehlt der Erzbischof die Lektüre der einschlägigen theologischen Werke der Vorkriegszeit. Für die heikle Behandlung rückkehrwilliger Katholiken, die der Kirche in der Nazizeit den Rücken gekehrt hatten, lautete sein Rat, "Strenge und Milde in rechter Weise zu paaren".

Gegen das Stigma einer Kollektivschuld

Ein in diesen Tagen nicht seltener Sonderfall waren jene Priester, die in Ermangelung nicht kompromittierter Amtsträger als Bürgermeister fungierten. Sogar der Münsteraner Bischof Galen musste wiederholt die Übernahme des Oberpräsidiums Westfalen ablehnen. Für Köln duldete Frings diese Verstöße gegen das Kirchenrecht; allerdings sollten die Priester "sobald wie möglich" wieder zu ihren Seelsorgerpflichten zurückkehren.

Ansonsten war der Erzbischof ein engagierter Fürsprecher für die Nöte der Bevölkerung bei den Besatzungsbehörden. Er wehrte sich entschieden gegen das Stigma einer "Kollektivschuld", erfand das "Fringsen" des Lebensnotwendigen und krempelte die Ärmel hoch. So sagte er in einer Rede bei der Rückkehr von seiner Kardinalserhebung 1946: "Heute, da ich wiedergekommen bin, liegt die Stadt in Trümmern. Und die Trümmer, sie rufen uns zu: Baut uns auf! Schafft wieder ein herrliches, ein heiliges Köln!"

Alexander Brüggemann
(KNA)

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