Der Kölner Dom bei Dämmerung
Der Kölner Dom bei Dämmerung

13.12.2013

Rückmeldung des Erzbistums Köln zur Bischofssynode Antworten der Gläubigen im Blick

Eine starke Differenz zwischen kirchlicher Lehre und dem Leben der Katholiken wird in der Zusammenfassung der Rückläufe deutlich, die im Erzbistum Köln für die außerordentliche Bischofssynode in Rom erstellt wurde.

Die Gläubigen waren über den Diözesanrat und die Stadt- und Kreisdechanten zur Teilnahme eingeladen worden. Die Zusammenfassung auf 23 Seiten hat das Erzbistum Köln im Internet zur Verfügung gestellt. "Die Rückmeldungen sind zu verstehen als Wahrnehmung der Befragten. Sie sind kein Abstimmungsergebnis über bestimmte inhaltliche Fragen noch die Meinung des Erzbischofs", wird in dem Dokument betont, das inzwischen an die Deutsche Bischofskonferenz weitergeleitet wurde, von wo aus es an den Vatikan gehen wird.

In neun Abschnitten werden in dem Dokument die Antworten auf die Fragen des Vatikans zur Vorbereitung der Synode dargestellt. "Insgesamt wird die Lehre der Kirche als welt- und beziehungsfremd angesehen", lautet eine Zusammenfassung zur Frage nach der Lehre der Kirche im Bezug auf die Familie. Dabei sei die Lehre der Kirche nur wenig bekannt und wird oft auf die Themen "Unauflöslichkeit der Ehe" und die Aussagen zur Sexualität reduziert. In diesem Bereich driften "die Lebenswelten von Kirche und Gesellschaft eklatant auseinander". So sehen die Befragten eine gesellschaftliche Praxis der Trennung und Ehescheidung und eine zunehmende Offenheit für alle möglichen Formen von Partnerschaft (homosexuelle Verbindungen, Patchwork-Familien).

Das Zusammenleben "ad experimentum", also eine Partnerschaft ohne Trauung, ist im Erzbistum verbreitete Praxis. "Fast alle Paare, die um eine kirchliche Trauung bitten, leben bereits zusammen, viele von ihnen schon über Jahre". Zunehmend ist auch die Zahl der gleichzeitigen Feiern von Trauung und Taufe eines Kindes.

Barmherziger Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen und den getrennt Lebenden

Eine wichtige Größe sind auch Menschen, die staatlich zum zweiten Mal geheiratet haben: "Viele wiederverheiratete Geschiedene fühlen sich diskriminiert von der Amtskirche, fühlen sich ausgegrenzt und zeigen sich hierdurch oft belastet." Dies ist den Teilnehmern der Befragung bewusst: "Es wird eine Pastoral gefordert, die zu einem barmherzigen Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen und den getrennt Lebenden auffordert".

Von der Kirche erwarten die Befragten überwiegend Begleitung: "Aus vielen Antworten geht hervor, dass die wertschätzende Annahme und das Angebot der Begleitung in schwierigen Lebenssituationen, aus dem Kern der christlichen Botschaft abgeleitet, maßgeblich zur Glaubwürdigkeit von Kirche beitragen und oft als Sehnsucht hinter konkreten Anfragen steht". So werden zum Beispiel neu entwickelte Formate der Ehevorbereitung wie Kletterkurse oder eine "kulinarische Ehevorbereitung" als attraktive neue Angebote wahrgenommen. Rund 360 Paare nutzten diese und weitere Angebote der Ehevorbereitung im vergangenen Jahr.

Sprachlosigkeit im Bezug auf den eigenen Glauben

Bei Eltern ist eine zunehmende "Sprachlosigkeit im Bezug auf den eigenen Glauben und die Vermittlung an die nachfolgende Generation" festzustellen. Dennoch feiern laut Bonner Stichprobe 77 Prozent der Befragten christliche Feste und 40 Prozent beten mit ihren Kindern. Ansonsten wird die religiöse Erziehung an die Experten in den Gemeinden, Kindergärten, Schulen und Jugendverbänden delegiert.

Auf sehr unterschiedliche Weise sind die Ergebnisse des Dokumentes zustande gekommen. In Düsseldorf gab es zum Beispiel einen "Konvent der Verantwortlichen" mit 70 Teilnehmern und auf verschiedenen Internetseiten konnte man sich online beteiligen, etwa beim Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) und dem Familienbund Köln. Alleine in Bonn nahmen auf diese Weise 2217 Menschen an der Befragung teil. Bei der Auswertung liefen die Fäden im Kölner Generalvikariat zusammen, alle Antworten aus dem Erzbistum Köln wurden im Referat Ehe- und Familienpastoral ausgewertet und zusammengeführt.

"Erstaunt hat uns, dass die Vielzahl der Papstoralprogramme für Familien in den Gemeinden und Kindertagesstätten bei den Gläubigen kaum bekannt ist", erklärte Hauptabteilungsleiter Markus Bosbach. Anhand der Rückmeldungen will daher die Hauptabteilung Seelsorge ihre Programme überprüfen. Mit Blick auf die Differenz zwischen Lehre und Leben der Gläubigen im Erzbistum Köln betonte Bosbach: "Wir haben im Erzbistum Köln nun diese Daten ermittelt und veröffentlicht. Nun sind wir sehr gespannt, wie die Synode diese Ergebnisse beurteilen und handeln wird".

Erzbistum Köln

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