Olivier Ndjimbi-Tshiende
Olivier Ndjimbi-Tshiende

07.03.2016

Priester verlässt bayerische Pfarrei Morddrohungen und Beleidigungen

Der aus dem Kongo stammende katholische Pfarrer der bayerischen Gemeinde Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende, hat genug. Nach mehreren Morddrohungen gegen ihn zieht er nun die Konsequenzen und tritt Ende März zurück.

Das berichtet die Süddeutsche Zeitung auf ihrer Internetseite sueddeutsche.de. Zugleich sei er Nachstellungen ausgesetzt gewesen. Der Geistliche selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Hintergrund sind Auseinandersetzungen des Seelsorgers und seiner Gemeinde mit der örtlichen CSU. Dabei geht es unter anderem um die Flüchtlingspolitik. Außerdem kam es zu rassistischen Äußerungen von Ortspolitikern. Diese führten Ende vergangenen Jahres zu Rücktritten, nachdem sich auch die oberbayerische CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner eingeschaltet hatte.

Erzdiözese München und Freising hat Rücktrittsgesuch angenommen

In dem Beitrag auf sueddeutsche.de heißt es, die Erzdiözese München und Freising habe das Rücktrittsgesuch von Ndjimbi-Tshiende Anfang vergangener Woche angenommen. Die Pfarrgemeinde sei in den Sonntagsgottesdiensten von ihm über seine Entscheidung informiert worden, die Gremien bereits zuvor.

Nach der Affäre um rassistische Äußerungen war Anfang November der oberbayerische CSU-Lokalpolitiker Johann Haindl mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Mit ihm legte die CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher ihr Amt nieder. Sie hatte mit einem Beitrag im Parteiblatt "Zornedinger Report" einen Skandal ausgelöst, in dem sie gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck polemisierte.

Äußerungen eines Lokalpolitikers gegen Ndjimbi-Tshiende

Zugespitzt hatte sich die Situation um Haindl, als er in der Ebersberger Lokalausgabe des "Münchner Merkur" mit den Worten zitiert wurde: "Der (Pfarrer von Zorneding) muss aufpassen, dass ihm der Brem (Altpfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch in Gesicht springt, unserem Neger." Daraufhin meldete sich das Münchner Erzbischöfliche Ordinariat und verurteilte die Bemerkung, sollte sie korrekt zitiert worden sein, "auf das Schärfste". Haindl soll sich mittlerweile entschuldigt haben.

Hymne an Angela Merkel

In einem offenen Brief attestierte der Pfarrgemeinderat dem Vorstand der Zornedinger CSU eine "braune Gedankenwelt". Weil sich die Pfarrei davon distanziere, solle die Partei aus dem Logo ihres Organs "ZornedingReport" die Kirchtürme entfernen. Die Ortsvorsitzende hatte in dem Parteiblatt zuvor unter anderem geschrieben, Bayern werde von Flüchtlingen "überrannt" und erlebe "eine Invasion". Der CSU-Geschäftsführer und die Vorsitzende des örtlichen Flüchtlings-Helferkreises traten daraufhin aus der Partei aus. Ndjimi-Tshiende erklärte öffentlich sein Bedauern über die Äußerungen der Lokalpolitikerin.

Seinerseits publizierte der Geistliche eine "Hymne" an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Darin lobte er die Regierungschefin für ihre "gerechte, humane und gütige" Machtausübung. Die Kanzlerin wisse, "dass keine Grenzen zum Helfen gezogen werden dürfen, sondern dass diese sich selbst zeigen" und "dass den deutschen Flüchtlingen keine Grenzen auf der ganzen Erde damals gesetzt wurden, als sie auf der ganzen Erde zerstreut wurden". Merkel sei "eine würdige Pfarrerstochter, ein guter Mensch und eine gute Politikerin, wie es sie in der ganzen Welt geben sollte".

Der 66-jährige Geistliche leitet seit 2012 die Pfarrei von Zorneding bei München. Er empfing 1979 die Priesterweihe und ist ein in Deutschland habilitierter Philosoph. Seit 2009 gehört er dem Münchner Diözesanklerus an und ist inzwischen auch deutscher Staatsbürger.

(KNA)

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