31.07.2013

Georg Ratzinger über seinen Bruder Benedikt XVI.

"Rücktritt war Befreiung"

Der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. war für diesen nach den Worten seines Bruders Georg Ratzinger "eine große Befreiung". Nach einer Zeit der Umstellung wirke er erleichtert und scheine sich allmählich zu erholen.

Ratzinger erläutert in einem Interview die Gründe, die seinen Bruder zum Rückzug als Kirchenoberhaupt bewogen haben. Enttäuschung über den Vatileaks-Skandal habe dabei keine Rolle gespielt, so der 89-Jährige. Auch sei es nicht richtig, dass Benedikt XVI. aus Angst vor einem Schlaganfall zurückgetreten sei. Sein Bruder habe auch "keine akute Krankheit".

Ratzinger sagte, die Entscheidung des emeritierten Papstes sei nach seiner Rückkehr aus Mexiko Ende März 2012 gewachsen. Damals hätten ihm die Ärzte davon abgeraten, noch einmal so weit zu reisen. Weil aber der Weltjugendtag in Brasilien und ein Besuch auf den Philippinen angestanden habe, "glaubte er, nicht mehr der Richtige zu sein für das Amt". Die Anforderungen an einen Papst seien heute viel größer als noch vor 50 Jahren. "Da muss man einfach halbwegs im Vollbesitz seiner Kräfte sein und kann sich nicht, wie es früher war, einfach zurückziehen."

Nach Auskunft seines Bruders wird Benedikt XVI. nichts mehr schreiben. "Sein schriftstellerisches Werk ist abgeschlossen, es wird keine weiteren Veröffentlichungen geben", beschied Ratzinger.

Georg Ratzinger: Mein Bruder kannte seinen Nachfolger nicht gut

Papst Franziskus war für seinen Vorgänger offenbar ein unbeschriebenes Blatt. Benedikt XVI. habe nie über Jorge Mario Bergoglio gesprochen, sagte Ratzinger. "Ich glaube, er kannte ihn nicht gut, wohl eher nur oberflächlich", so der Bruder des emeritierten Kirchenoberhaupts.

Ratzinger sagte, sein Bruder wisse, "dass er sich noch großer Wertschätzung erfreut und dass der neue Stil, den sein Nachfolger eingeführt hat, noch ungewohnt ist für die Leute und einigen auch Schwierigkeiten bereitet, weil er doch vieles einfach anders macht, als es bisher gewesen ist". Auf die Frage, ob Benedikt XVI. die Neuerungen begrüße, antwortete der frühere Regensburger Domkapellmeister: "Er spricht eigentlich nie darüber, denn er will seinem Nachfolger ja nicht im Wege stehen und ihm in keinster Weise Schwierigkeiten oder Probleme bereiten. Aber er schätzt ihn auch sehr."

Der frühere Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger äußerte sich in einem Interview mit dem Düsseldorfer Autor Michael Hesemann. Das Gespräch ist in Hesemanns neuem Buch "Papst Franziskus. Das Vermächtnis Benedikts XVI. und die Zukunft der Kirche" abgedruckt. Der Titel erschien am Mittwoch im Münchner Herbig-Verlag.

(KNA)

Benedikt XVI.

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