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8.11.2011

Kritik an geplanter Schau der Zeugen Jehova im sächsischen Landtag

Der sächsische Landtag eröffnet am 22. November eine Ausstellung der Zeugen Jehovas. Sie trägt den Titel "Standhaft trotz Verfolgung" und dokumentiert die Unterdrückung der umstrittenen Religionsgemeinschaft unter den Nazis und in der DDR. Wie der Landtag am Dienstag in Dresden mitteilte, sprechen zur Eröffnung Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und Wolfram Slupina vom Informationsbüro der Zeugen in Selters/Taunus (Hessen). Der Beauftragte für Weltanschauungs- und Sektenfragen der sächsischen Landeskirche, Harald Lamprecht, reagierte mit Kritik auf die geplante Ausstellung. Es sei unbestritten, dass die Zeugen Jehovas für ihre Überzeugung gelitten hätten, sagte er dem epd. Die Gemeinschaft halte sich aber konsequent aus Politik und Gestaltung des Gemeinwesens heraus und stehe demokratischen Wahlen ablehnend gegenüber. Warum eine Gruppe mit dieser Haltung ausgerechnet im Landtag ein Podium erhalte, sei "schleierhaft". Unter den Nazis wurden der Ausstellungsankündigung zufolge rund 8.800 Angehörige der Glaubensgemeinschaft in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert. Davon verloren 950 ihr Leben, 370 durch Hinrichtung. In der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR wurden rund 5.000 Zeugen verurteilt und saßen im Strafvollzug. Die Dokumentation im Bürgerfoyer geht auch auf die Situation in Sachsen ein. Die Zeugen Jehovas gelten als christliche Sondergemeinschaft, die keine ökumenischen Kontakte zu den großen Kirchen unterhält. Die Gemeinschaft ist auch wegen der kategorischen Ablehnung von Bluttransfusionen und ihres Umgangs mit Aussteigern umstritten. Bekannt ist sie vor allem durch ihre Straßenmissionierung mit Verteilung von Publikationen. Die Zahl der aktiven Mitglieder wird für Deutschland mit über 160.000 angegeben. Schrittweise seit 2006 haben die Zeugen Jehovas in den meisten Bundesländern, darunter Sachsen, den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erhalten.

( epd )