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8.6.2011

Kirchen gegen PID

Der Widerstand in den Kirchen gegen das geplante Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik (PID) wächst. Nachdem sich bereits Ende Mai mehrere evangelische und katholische Bischöfe aus Norddeutschland gegen eine Zulassung von Embryonentests ausgesprochen haben, meldeten sich am Mittwoch auch Kirchen in Mitteldeutschland zu Wort. In einem Brief forderten die evangelische Bischöfin Ilse Junkermann und der katholische Erfurter Bischof Joachim Wanke Bundestagabgeordnete zur Ablehnung des geplanten Gesetzes auf. Der Bundestag will noch vor der Sommerpause entscheiden. Vor der Entscheidung des Parlaments müssten die Haltungen zur PID "ethisch geklärt" werden, erklärten die beiden Bischöfe weiter. Junkermann und Wanke kritisierten, der "selektive Blick" auf Embryonen bedeute immer auch, dass menschliches Leben nach bestimmten Merkmalen ausgewählt werde. Damit werde "eine moralisch nicht zu begründende Herrschaft der Geborenen über die Ungeborenen" errichtet. Zudem werde der "Logik bedingter Menschenwürde" widersprochen, wonach bei einer Zulassung der PID "Menschen unter dem Vorbehalt ihrer künftigen Gesundheit für schützenswert" erachtet würden. Damit wachse in der Gesellschaft eine Haltung, "die nahelegt, behinderte Menschen abschätzig zu beurteilen", hieß es weiter. Der Erfurter katholische Bischof und die Bischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland appellierten "eindringlich" an die Abgeordneten, mit ihrer Entscheidung "die Weichen für die künftige Entwicklung im Sinne des Schutzes menschlichen Lebens von Anfang an" zu stellen. Zuvor hatten sich bereits die evangelischen Bischöfe Hans-Jürgen Abromeit (Pommersche Evangelische Kirche), Andreas von Maltzahn (Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs) und Gerhard Ulrich (Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche) sowie der katholische Erzbischof Werner Thissen (Hamburg) und der katholische Weihbischof Matthias Heinrich (Berlin) in einem Schreiben an Bundestagsabgeordnete kritisch zu Wort gemeldet. Auch der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann sprachen sich gegen die PID aus. Bei der Präimplantationsdiagnostik werden im Reagenzglas erzeugte Embryonen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib gentechnisch untersucht. Sie war bisher in Deutschland verboten. Eine Neuregelung steht an, weil der Bundesgerichtshof im Juli 2010 das Verbot faktisch aufhob und die PID in bestimmten Fällen für zulässig erklärte. Im Juni wird das Parlament voraussichtlich über die Gesetzesänderung abstimmen. Es gibt drei Gesetzentwürfe. Sie reichen von der konsequenten Ablehnung bis zu einer begrenzten Zulassung.