10.09.2008

Gloria von Thurn und Taxis spricht mit Kardinal Joachim Meisner

Die Prinzessin und der Kardinal

Der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. "Die Fürstin und der Kardinal" haben bereits den Boulevard erobert, bevor Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis und der Kölner Erzbischof Joachim Meisner am Mittwoch ihr gleichnamiges Buch offiziell in Köln vorstellen. Von "Bild" bis zur ARD-Sendung "Menschen bei Maischberger": Bereitwillig breiten die Medien Anekdotisches und Amüsantes aus dem "Gespräch über Glauben und Tradition" heraus. Und davon bietet der im Freiburger Herder-Verlag erschienene Band auf knapp 200 Seiten einiges.

Da wäre beispielsweise das Geständnis des Kardinals, dass er mehr als einmal wirklich verliebt gewesen sei. Die daraus resultierenden Konflikte hätten ihn innerlich schier zerrissen. «Auf der einen Seite spürte ich, dass ich in das königliche Priestertum Jesu Christi berufen war, auf der anderen Seite stand dieses hübsche Mädchen.» Letztlich aber, so resümiert Meisner, habe er den Ruf zum kirchlichen Dienst immer als zwingender empfunden. Gleichzeitig präsentiert sich Fürstin Gloria als immer schon strenggläubige Katholikin, die sich im Urlaub mit ihrem Mann Johannes anlegt, weil der ausgerechnet am Karfreitag die Kinder zum Steakessen einladen will. Wer die Bilder von der Punkfrisuren tragenden Prinzessin aus den 80er Jahren noch vor Augen hat, mag darüber zumindest überrascht sein. Ungewöhnliche An- und Einsichten bietet auch die Passage über die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst im April 2005, an der Meisner im Konklave teilnahm. Unmittelbar vor den entscheidenden Abstimmungen besuchte der Kölner Erzbischof seinen deutschen Landsmann in dessen Wohnung. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich laut Meisner schon ein Votum für Ratzinger ab. «Wenn Du gewählt wirst, musst Du Ja sagen!», habe er dem Leiter der Glaubenskongregation zum Abschied gesagt. Der verzweifelte Gesichtsausdruck des damals 77-Jährigen habe Bändegesprochen: «Tut mir das nicht an!», sei die Antwort des späteren Papstes gewesen. Den enormen Druck in diesen Tagen habe auch er selbst gespürt, bekennt Meisner. «Ich war ungeheuer nervös und habe während des gesamten Konklaves furchtbar schlecht geschlafen.» Fürstin Gloria erlebte unterdessen die entscheidenden Momente inmitten der Menschenmenge auf dem Petersplatz. «Als dann der Name ,Josephus Ratzinger' fiel, habe ich vor Rührung geweint.» Das neue Kirchenoberhaupt kannte sie da schon aus mehreren persönlichen Begegnungen. «Über kurz oder lang gehörte ich jenen Menschen an, die man heutzutage auch 'Fanclub' nennt.» Einige Angehörige dieses «Fanclubs» haben offenbar durchaus klare Vorstellungen über den künftigen Kurs der Kirche - und die treffen nicht überall auf Zustimmung. Wenn etwa Gloria von Thurn und Taxis voller Begeisterung über die von Benedikt XVI. wieder zugelassene Messfeier im alten Ritus spricht, dann erhebt der Kölner Erzbischof Einspruch: Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils habe viel Positives bewirkt und dürfe nicht als Bruch mit den hergebrachten Traditionen beurteilt werden. Gerade dieser Abschnitt offenbart jedoch zugleich die Grenzen des Gesprächs. Die Belastungen für den jüdisch-christlichen Dialog, die sich aus der tridentinischen Karfreitags-Liturgie ergeben haben, finden mit keinem Wort Erwähnung. Und wenn die beiden Protagonisten an anderer Stelle über ihr Kunstverständnis reden, so erwartet der eine oder andere Leser möglicherweise eine Frage zu dem von Gerhard Richter gestalteten Fenster im Kölner Dom - vergebens. Spätestens an dieser Stelle zeigt sich, dass das Streitpotenzial zwischen der Fürstin und dem Kardinal, wie von Herausgeber Johannes Marten einleitend angemerkt, begrenzt ist.

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