Narren im Kölner Dom
Meisner gibt Startschuss zur Karnevalssession
Die Kölner Karnevalisten sind am Donnerstagabend mit einem festlichen Gottesdienst im Dom in die heiße Phase der fünften Jahreszeit gestartet. An dem Pontifikalamt mit Kardinal Joachim Meisner am Vorabend der Prinzenproklamation nahmen das designierte Dreigestirn, das Kinderdreigestirn und zahlreiche Mitglieder der Festkomitee-Gesellschaften teil. Sie kamen in ihren traditionellen, bunten Uniformen und trugen Standarten.
Das designierte Dreigestirn aus Prinz Rainer I., Bauer Harald und Jungfrau Albertina las die Fürbitten der Messe vor. Es wird am Freitag im Veranstaltungssaal des Gürzenich proklamiert. In den Kirchenbänken saßen auch Paare aus den Tanzgruppen der Karnevalsgesellschaften sowie Mariechen und Tanzoffiziere.
Der Kardinal hob in seiner Predigt den Zusammenhang von Karneval und Glauben hervor. Wer sich Gott nahe fühle, habe allen Grund, fröhlich zu sein. Daher sei es „kein Wunder, dass der Karneval vor allem in Gegenden zu Hause ist, die von tiefem Glauben geprägt waren und hoffentlich noch sind“. Wer nicht an Gott glaube wie die Funktionäre der DDR, dem vergehe das Lachen. „Hier liegt ja gerade die tiefste Wurzel des Karnevals“, so Meisner. Er bezeichnete Karnevalisten als Menschen, die „kreuzfidel sind, das heißt fröhlich, gläubig und treu“.
Seine Predigt beschloss der Kardinal mit dem Gruß „Kölle Alaaf“. Er habe zwar bei seinem letzten Rom-Besuch vergessen, Papst Benedikt XVI. diesbezüglich um Erlaubnis zu fragen, mache es aber trotzdem, so Meisner. Er sagte für das kommende Jahr einen erneuten Karnevals-Gottesdienst zu. Die „jecke Messe“ mit dem Kardinal im Dom hatte im vergangenen Jahr zum ersten Mal stattgefunden und bei den Karnevalisten großen Anklang gefunden.
Grußwort des Kardinals an die Jecken
Liebe Kölsche Jecken, zum zweiten Mal feiern wir im Hohen Dom zu Köln ein Pontifikalamt am Vorabend der Proklamation des Kölner Dreigestirns. Ich freue mich sehr, dass Karneval und Dom wieder näher zueinander gefunden haben! Denn beide sind nicht voneinander zu trennen. Und ohne einander fehlt beiden etwas.
Für uns Christen geht es im Karneval um eine oft vernommene biblische Aufforderung „Fürchte dich nicht!„. Gott nimmt uns die Angst und gibt uns damit gleichsam das Lachen. Wir können lachen, weil wir keine Angst haben müssen. Aus einer tiefen Freiheit und Geborgenheit heraus brauchen Christen über die manchmal aberwitzigen und oft schmerzenden Zustände der Welt nicht zu verbittern, sondern können sich mit einem Lächeln dennoch ihrer Aufgabe stellen, in die Welt hinein zu wirken - nicht verbissen oder verkrampft, sondern mit dem Trost, dass im Letzten Gott uns hält. Wir Christen brauchen uns nicht in ein zynisches Grinsen zu flüchten, wir dürfen aufrichtig und fröhlich lächeln - das ist ein Geschenk, und wir könnten mehr daraus machen: es mit anderen teilen und das Wort Gottes weitergeben. Denn es ist eine frohe Botschaft!
Im Karneval setzen sich die Jecken gern die so genannte Narrenkappe auf. Die Bedeutung des Narren ist aber mehrdeutig, und beide Bedeutungen verweisen unmittelbar auf die enge Beziehung zwischen Karneval und Christentum. Zum einen 2 Pontifikalamt mit Kölner Karnevalisten verleiht die Narrenkappe neue Freiheiten: Der Narr steht für die andere, die göttliche Vernunft, die sich dem Menschen oft nicht erschließt und machmal seine Pläne durchkreuzt. Mit der Narrenkappe setzt er sich über weltliche Gesetze hinweg, weil er weiß, dass sie nicht endgültig sind.
Die andere Beziehung des Narren ist traditionell folgende: Wenn der Mensch sich von Gott entfernt, macht er sich gleichsam zum Narren. Deswegen finden sich unter den traditionellen Kostümen so oft Figuren, die die Menschen dem Reich des Bösen zuordnen. Beide Bedeutungen speisen sich unmittelbar aus der christlichen Wahrnehmung der Welt. Christen setzen sich die Narrenkappe auf und bekunden damit ihre Freiheit, die sie als Kinder Gottes haben und die ihnen ein herzliches Lachen erlaubt, wissen sie sich doch in Gottes Hand!
Lassen Sie uns gemeinsam das Geheimnis der Eucharistie begehen und einen Karneval feiern, der uns dieses Lachen lehrt.
Köln, im Dezember 2007
Joachim Kardinal Meisner · Erzbischof von Köln
(kna)
Audio Beitrag
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