29.12.2008
Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“
Msgr. Winfried Pilz
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Msgr. Winfried Pilz
In Afrika, Asien, Ozeanien, Lateinamerika und Osteuropa fördert es an die 3.600 Projekte; 3.000 davon werden möglich durch die Aktion Dreikönigssingen, die in neuerer Zeit den Weg der „Sternsinger“ mit dem Namen des Werkes verbindet.
Die Aachener Stephanstraße 35 ist - im Dreieck der anderen Hilfswerke missio und misereor - für viele eine gute Adresse. In der Zentrale und in den Regionalstellen (Berlin, Altötting, St. Wendel) gibt es inzwischen 60 Mitarbeitende für die Bereiche Bildung, Öffentlichkeitsarbeit, Projekte, Finanzen und Service. Bei einem jährlichen Haushalt lag der Anteil der Verwaltungskosten in den letzten Jahren unter vier Prozent; das ist ungewöhnlich niedrig.
„Kinder schaffen was!“
Wie zu Beginn ist die Bewegung, die Auguste von Sartorius ausgelöst hat, im Kern ein Werk der Kinder geblieben. Das Sternsingermotto des Jubiläumsjahres „Kinder schaffen was!“ bringt kurz und markant zum Ausdruck, dass die Kinder hierbei nicht Objekte sind, sei es zur Spendenwerbung, sei es als Empfänger von Almosen, sondern dass sie selbst etwas zuwege bringen. Auf eine Weise, wie sie nur den Kindern gegeben ist, stellen sie uns Erwachsene auf den Prüfstand. Sie lenken unseren Blick auf den Weg der kommenden Generation und die Zukunft unserer gemeinsamen Welt. Deshalb ist es selbstverständlich, dass „an der Seite der Kinder„ viele Erwachsene - als Einzelne oder in engagierten Gruppen - das Werk der Kinder mittragen. Ein großer Dank gilt allen, die in der Kinder- und Jugendpastoral, in Pfarrgemeinden, Schulen, Kindergärten, Verbandsgruppen den Blick der Kinder für die Welt öffnen und sie in ihrer Sendung und ihren besonderen Möglichkeiten bestärken.
So stellt sich das Kindermissionswerk dem christlichen Zeugnis in der Welt, sehr oft dort, wo Christen als kleine Minderheit standhalten müssen. Das christliche Engagement macht dabei keinen Unterschied im Blick auf soziale Herkunft, Rasse oder Religion; viele nichtchristliche Kinder haben ihren Nutzen davon. Zugleich weiß sich das Kinderhilfswerk der katholischen Kirche herausgefordert durch alle Problemanzeigen, die Kinder in den Regionen der Not betreffen. Hunger, Krankheit (aktuell besonders AIDS), Missbrauch (Kindersoldaten, ausbeuterische Arbeit, Prostitution), soziales Elend, Diskriminierung, Chancenlosigkeit, Krieg und Heimatverlust sowie plötzliche Katastrophen rufen nach konkreter Hilfe.
Die Priorität bei alledem hat die Bildung der Kinder, damit sie künftig ihr Leben selbst gestalten und an der Verbesserung der Verhältnisse mitarbeiten können. Ebenso ist die langfristige Hilfe und Entwicklung auf dem Wege kontinuierlicher Projektarbeit die überzeugendste und wirksamste. Die Anträge aus aller Welt, sofern sie die Aktion Dreikönigssingen betreffen, werden von den Projektreferenten sorgfältig geprüft und von einer Kommission entschieden. Dieser gehören Fachleute aus den großen kirchlichen Hilfswerken und aus einigen Diözesen an, so dass die Qualität der Projektförderung gewährleistet ist. Weitere Formen der Direkthilfe und -partnerschaft, zu denen das Kindermissionswerk aufruft, zeichnen sich dadurch aus, dass die gespendeten Beträge ungekürzt an die gewünschte Adresse weitergeleitet werden; die Verwaltungskosten werden dann anderweitig im Haushalt abgesichert.
Wenn bei all diesen Bemühungen die Kinder in Deutschland nicht Medium und Objekt bleiben dürfen, muss inzwischen mehr als bisher ihre eigene Situation in den Blick genommen werden. Afrika ist längst nicht mehr weit weg, - in Kindergärten und Schulklassen ist „die Welt“ präsent und damit manches Schicksal, für das wir, wäre es geographisch fern, „zuständig“ wären. Außerdem wird immer deutlicher, dass es auch in Deutschland für viele Kinder Not und Armut gibt, meistens als verstecktes Tabu, aber doch so, dass sowohl die Politik als auch der Mitmensch von Tür zu Tür nicht die Augen davor verschließen können. Herumgesprochen hat sich ferner, dass Deutschland selbst zum „Missionsland“ geworden ist, dass also eine neue und intensivere Besinnung auf den Auftrag Jesu Christi und die Chancen der Kirche für die Mitgestaltung einer menschlicheren Welt dringend ansteht. Das fordert das Kindermissionswerk gerade im Rückblick auf seinen Ursprung heraus, seinen Grundauftrag weiterzudenken und sich dem nötigen „aggiornamento“ zu stellen, damit Kinder - hier bei uns und überall auf der Welt - heute und morgen leben können“.
Zur Biographie
Winfried Pilz wurde am 4. Juli 1940 in Warnsdorf (Nordböhmen) geboren. 1946 wurde er mit seiner Familie von dort vertrieben. Bereits während seiner Zeit im Gymnasium fasste er den Entschluss, Priester zu werden. Nach dem Studium in Bonn, München und Köln empfing er 1966 in Köln durch Kardinal Frings die Priesterweihe. Fünf Jahre war er als Kaplan in Euskirchen tätig, danach für kurze Zeit in Bonn, wo er zum Stadtjugendseelsorger ernannt wurde. 1972 übernahm Winfried Pilz das Amt des Kölner Diözesanjugendseelsorgers. 18 Jahre war das Haus Altenberg im Bergischen Land, ein Zentrum katholischer Jugendarbeit, sein Dienstsitz. Als Rektor der Bildungsstätte wirkte er fünf Jahre auf Bistumsebene, danach als Referent für Glaubensbildung im Jugendhaus Düsseldorf. Später wurde er für die Altenberger Jugendarbeit freigestellt.
Seit 1990 war er Pfarrer in der 11.000 Katholiken umfassenden Kaarster Gemeinde St. Martinus. Seit 1. April 2000 ist Winfried Pilz Präsident des KINDERMISSIONSWERKES „Die Sternsinger“.
Audio Beitrag
- Joh 1,29-34 - Auslegung des Evangeliums mit Msgr. Winried Pilz (3.1.2009)
- Joh 1,19-28 Auslegung des Evangeliums mit Msgr. Winfried Pilz (2.1.2009)
- Joh 1,1-18 - Auslegung des Evangeliums mit Msgr. Winfried Pilz (31.12.2008)
- Lk 2,36-40 - Auslegung des Evangeliums mit Msgr. Winfried Pilz (30.12.2008)
- Ein Beitrag von KNA: Sternsinger-Aktion 2009 (29.12.2008)
- Lk 2,22-35 - Auslegung des Evangeliums mit Msgr. Winfried Pilz (29.12.2008)